Turnverein Balsthal

"Der Laden läuft auch ohne mich"

Fabian "Ché" Müller gab beim Ressort Handball 15 Jahre lang mit den Ton an.


Ende Jahr tritt Fabian Müller aus dem Vorstand des Ressort Handball zurück. 15 Jahre war der „Ché“  in den verschiedensten Funktionen tätig und prägte das Erscheinungsbild des Handballs in Balsthal entscheidend mit. Nun sei die Zeit gekommen, Jüngeren Platz zu machen. Bange ist ihm vor der Zukunft des Ressorts nicht. Er setzt vor allem auf den Drive der Jungen. „Der Laden läuft auch ohne mich“, ist der 37-Jährige überzeugt.

Hallo Fabian, ich nehme an, du warst sicher überrascht über die Ehrung am Handball-Event?
Fabian „Ché“ Müller: (lacht laut und ausgiebig) Schön! (Pause) Nein, ich habe etwas munkeln gehört. (lacht wieder laut) Der Dimitri Costa hat vorgängig gefragt, ob ich beim Event um acht Uhr abends noch anwesend sein würde. Da habe ich mir gedacht: Ich muss um acht Uhr da sein, also könnte es noch was geben...

Unvorbereitet warst du also nicht?
Nicht wirklich.

Das sollte bei einem Politiker ja auch nicht der Fall sein, oder?
Da gebe ich Dir recht, das hat etwas! Vorbereitung ist bei uns wichtig. Ich glaube aber nicht nur bei Politikern!

15 Jahre Ressort Handball, in verschiedenen Funktionen tätig. Bitte zähl drei Adjektive auf, die diese Zeit beschreiben!
Geil! Megageil! Einfach eine Hammertruppe.

Oft wird vom weinenden und lachenden Auge gesprochen. Wie fällt der Blick zurück aus? Mit einem weinenden und lachenden Auge, oder nur lachend?
Nein! (sehr entschieden) Nur lachend natürlich, denn weinend passt nicht hierhin. Im Rückblick betrachtet war es eine Superzeit! Doch jetzt kommen im Ressort so viele gute, junge Leute nach. Da als alter Sack noch im Wege zu stehen lohnt sich nicht. (kommt ins schwärmen) Die Jungen haben so viel Drive. Nach 15 Jahren hat man selber soviel gemacht, dass der eigene Drive vielleicht etwas abgeschwächt daherkommt. Daher macht es eben Sinn, selber zurückzustecken und die Nachfolger machen zu lassen.

Du bist dir aber bewusst, dass sie im Vorstand damit rechnen, jederzeit auf dich zurückgreifen zu können?
Das weiss ich! Und das habe ich ihnen auch angeboten! Das wissen auch sie. Ich mache im Hintergrund ja noch einige Sachen weiter. Aber im Vorstand als solches eben nicht mehr. Neue Ideen entwickeln, neue Visionen vorantreiben, das alles sollen neue Kräfte machen. Das machen sie ja auch bereits sehr gut. Wenn sie ein kritisches Wort brauchen, dann bin ich für sie da, meine Daten kennen sie hoffentlich! Gerade bei politischen Fragen werde ich dem Ressort weiter beistehen. Es macht ja auch Sinn, wenn Fragen, beispielsweise zur Zusammenarbeit mit der Gemeinde auftauchen, dass ich hier mit meiner Erfahrung helfend beistehen kann.

15 Jahre sind eine lange Zeit. Gibt es Dinge, an die du dich besonders gerne zurückerinnerst?
Absolut! Der Hammer war alle zwei Jahre die Juniorenwerbung in den Schulen. Da bin ich wirklich stolz darauf, wie wir die so entwickelt und durchgezogen haben. Ab dem ersten Mal hat alles funktioniert, eigentlich in der gleichen Form wie heute. Jedes Mal hatten wir dann bei den ersten Trainings 60 Kinder in der Halle, das war überwältigend! Das ist schon was geniales, auch waren die Rückmeldungen von Schule und Eltern immer positiv. Das läuft auch jetzt noch optimal. Dass dies immer noch so läuft und auch immer alle zwei Jahre wiederholt wird, ist für den Handballsport in Balsthal so wichtig!

Gab es Dinge, die auch anders hätten laufen können?
Was nicht so gut lief? (überlegt lange). Was noch fehlt ist die Qualität der Trainer. Da müssen wir intensiv daran arbeiten, deren Qualität muss gezielt gefördert werden. Das zu ändern, daran arbeiten wir schon seit langem. Balsthal hat vor 2000 immer wenige Junioren gehabt, dazu qualitativ auch nicht immer die besten Trainer. Das ist eine Tatsache, die sich nicht schönreden lässt. Unter den jeweiligen Voraussetzungen werden dann auch die Defizite übernommen. An der Qualität der Trainer, an deren Ausbildung müssen wir weiterarbeiten, sie noch gezielter fördern. Dann wird die Qualität der Juniorenmannschaften besser werden. Das wird sich letztlich auf die Aktivmannschaften auswirken.

Welche Visionen hättest du noch für die Zukunft?
Meine Vision wäre, zusammen mit unserem Partnerverein HV Oensingen die Juniorenarbeit weiter so zu fördern und zu entwickeln, dass Step by Step ab der U15 beide Vereine gemeinsame Interjunioren-Mannschaft stellen könnten. Ziel wäre, gemeinsam eine starke Mannschaft zusammentragen mit den Topspielern der beiden Vereine. Daneben sollten aber auch die anderen Spieler zusammenbleiben, so dass diese weiterhin Handball spielen können.

Im Moment liegt der Schwerpunkt in Oensingen ja beim Mädchennachwuchs. War das so geplant?
Das war und ist unsere Strategie, es ist ein Versuch wert. Mädchen-Handball war immer ein schwaches Segment, vor allem aufgrund der Anzahl an Spielerinnen. In der Vergangenheit bliebenmit der Zeit zu wenig Spielerinnen übrig. Wir haben ja in Balsthal vor vielen Jahren einen ersten Versuch mit Juniorinnen gewagt. Das ging bis zur U15 gut, dann mussten wir den Versuch abbrechen. Mit zwei Vereinen könnten wir es auch bei den Juniorinnen schaffen. Davon bin ich überzeugt

Zusammenarbeit wird grossgeschrieben: Fabian Müller im Gespräch mit HVO-Präsident Max Geier.Die Geschichte zeigt, dass sich die beiden Dörfer nicht immer gut verstanden haben. Die Zeiten haben sich aber geändert. Wie drückt sich dies in dieser Zusammenarbeit zwischen Balsthal und Oensingen aus?
Wir sind sehr gerne Vorreiter, um auch zu zeigen, dass gerade diese beiden Dörfer nebeneinander ein gutes Verhältnis haben können. Gerade auch was die Zusammenarbeit betrifft. Wir pflegen diese Zusammenarbeit ja überall: wir gehen zusammen in ein Juniorenlager, damit sich dort die Kinder schon kennen lernen. Am Sonntag fand in der Haulismatt ein Juniorenturnier statt, wo auch Kinder aus Oensingen zu uns kamen. Dann gehen unsere Kinder wieder nach Oensingen und zeigen damit, dass wir die Sache zusammen angehen wollen, zusammen an die Turniere gehen wollen, zusammen Fortschritte machen wollen. Es sind zwar zwei unterschiedliche Vereine, aber wir haben zusammen das gleiche Ziel. Das ist der Weg, den wir gemeinsam gehen wollen. In Balsthal wollen wir im Stamm-Turnverein weiter bleiben, das ist eine tolle Heimat, die wir da haben. Aber in Sachen Handball wollen wir zusammen mit dem HV Oensingen in die Zukunft gehen.

Bald bist du nicht mehr an vorderster Front. Blicken wir daher auf den Ist-Zustand des Ressort Handball in Balsthal. Und wohin soll der zukünftige Weg führen?
Der Zustand ist sehr gut. Ich bin mega stolz dass wir so viele gute junge Leute haben, die so einen Drive haben und Verantwortung übernehmen. Dimitri Costa und Silas Roos haben viel Dampf und bringen noch mehr Schwung in den Vorstand. Daneben sind einige alte Hasen vertreten, mit entsprechender Erfahrung, die die beiden ab und zu auch etwas bremsen müssen. Was ja manchmal nicht schlecht ist. Die Jungen kommen immer wieder mit neuen Ideen, neuen Projekten. Das Ziel sollte sein, jene Dinge, die wir gut finden, weiter zu führen. Daneben aber an anderen Orten noch einem Stempel daraufzusetzen. Das wäre für mich - wie bereits erwähnt - die Qualität der Juniorenleitung. Das müssen wir zukünftig noch mehr forcieren. Anlassmässig sind wir bereits jetzt sackstark, organisationsmässig ebenfalls. Wenn wir jetzt noch im Kernbereich zusätzliche Qualität heranbringen, sieht die Zukunft richtig gut aus.

Wie sieht das Ressort Handball im Gesamtbild des Turnverein Balsthal aus?
Ich finde ganz wichtig, dass der Turnverein dem Ressort Handball den Spielraum lässt, engagiert zu sein und auch neue Sachen anpacken zu dürfen. Aktuell ist das absolut genial. Man hat den Freiraum, Dinge organisieren zu können, wie beispielsweise den grossen Handball-Event. Man kommt zusammen, unterstützt sich gegenseitig, auch bei den grossen Turnverein-Anlässen. Das ist wichtig, damit auch der Kern-Turnverein funktioniert. Diesen Freiraum braucht es, brauchen die Ressorts. Wird man zu fest eingeengt, geht es nicht mehr.

Du bist auf verschiedenen Hochzeiten tätig, Im Beruf, in der Politik, im Verein, dazu Familie. Freust du dich, nun zeitlich mehr Spielraum zur Verfügung zu haben?
Dieser Schritt war schon geplant, logischerweise. Bereits vor einem Jahr habe ich gewusst, der Laden läuft – und dies auch ohne mich. Dann kam im Frühling der Jobwechsel, wo ich die Geschäftsleitung im Casa Fidelio übernehmen konnte, damit ich auch mehr gefordert werde. Daher habe ich mir schon damals Gedanken gemacht, wo hole ich mir die Zeit wieder rein. Daher auch die Überlegung, im Handball kürzer zu treten, um daneben wieder Job, Familie und all die anderen Sachen zu pflegen. Der Übergang läuft bisher tip-top, auch der Handball läuft gut. Und ich bin ja nicht einfach weg...

... zumal bei der Familie Müller im Handball bereits die nächste Generation vordrängt. Freust du dich, dass deine Kinder in die Handballfamilie hineinwachsen könnten?
Freuen ist wohl der falsche Ausdruck. Meine Kinder sollen das machen, was ihnen Spass macht. Was, das entscheiden sie! Wie das immer so ist, wenn sie sehen, was der Papi macht, interessiert sie das. So wie jetzt beim Jan, der mit Handball begonnen hat und mal schauen möchte, wie das ist. Er hat aber auch andere Talente. Was ihm Spass macht, soll er einfach machen. Da werde ich mich nicht gross einmischen. Handballfamilie hin oder her!

Interview: Jean-Pierre Costa

 

Der Mann mit der Nummer 4

Ché erhielt beim Handballevent sein Trikot mit der goldenen Nummer 4.Die Funktionärs-Laufbahn im Ressort Handball begann Fabian Müller vor 15 Jahren. 2001 wurde er ins OK der Juniorenwerbung berufen und hat diese entscheidend beeinflusst. Seither werben die Handballer alle zwei Jahre in den Balsthaler Schulklassen um neuen Nachwuchs. Bezeichnend für den „Ché“, wie Müller im Umfeld genannt wird, dass sein Herz bis heute für die Juniorenwerbung schlägt.

2002 wurde der 37-Jährige, Vater zweier Buben, Jan (4) und Tim (6), und mit Claudia verheiratet, in den Vorstand des Ressort Handball aufgenommen. Seither war er bis heute Verantwortlich für den Bereich Junioren. 10 Jahre (2002 bis 2012) war er zudem bei den Junioren auch an vorderster Front als Trainer tätig. Eine Funktion, die die „Nummer 4“ in der Saison 2001/12 ebenfalls  bei den Aktiven übernahm. Doch nicht genug damit: Drei Jahre lang (2009-2012 ) stand „Ché“ der AG Papiersammlung vor, dazu amtete er seit 2013 als Leiter der Juniorenlager. Im Gesamtverein des Turnverein Balsthal übte Müller von 2011 bis 2014 interimistisch das Amt des Aktuars aus. (jpc)

 

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