Turnverein Balsthal

Elias und Edris - zwei TVB-Handballer zurück in der Heimat

Elias (links) und Edris Osmani: Die beiden afghanischen Brüder spielten seit 2013 für den TV Balsthal.
Ohne auch nur ein Wort Deutsch zu können, erschienen die beiden Brüder Edris und Elias Osmani vor über vier Jahren in der Haulismatthalle zum Handballtraining. Seither waren sie nur schwer aus dem Verein wegzudenken. Aus sportlichen Gründen, als wichtige Teamstützen der U15 bzw. U17 Mannschaft, aber auch vom menschlichen Standpunkt her betrachtet, werden die beiden Brüder beim TV Balsthal in Zukunft vermisst werden. Ihre fröhliche, offene und hilfsbereite Art, ihr Wille und ihr Engagement, ihre positive Ausstrahlung und die Freude, die sie in der ganzen Handballabteilung ausgelöst haben: All das, lieber Edris und lieber Elias, wird uns fehlen. Auch wenn ihr nun mehrere tausend Kilometer weit weg sein werdet, bleibt ihr ein Teil des TV Balsthal!

Das Ressort Handball wünscht euch alles Gute zurück in der Heimat. Wir werden euch schmerzlich vermissen.

Die Geschichte

Elias und Edris kamen 2013 als Afghanische Flüchtlinge nach Balsthal. Noch bevor sie überhaupt eingeschult waren, kamen Elias und kurze Zeit später auch Edris ins Handballtraining. Beim TVB knüpften sie erste soziale Kontakte, sie schlossen Freundschaften und fanden durch den Sport ein neues Hobby. Unzählige Stunden verbrachten die beiden in der Haulismatthalle und entwickelten sich zu wertvollen Teamstützen in ihren Mannschaften. Der Vater, ein afghanischer Lehrer, fand aber in der Schweiz nur wenig Arbeit. So entschloss sich die Familie, am 11. April zurück nach Afghanistan zu gehen, wo die Arbeitsmöglichkeiten besser sind als in der Schweiz. 

Nachfolgend einige Erinnerungen unserer Trainer an die beiden Brüder:

Dimitri Costa: «Ich erinnere mich noch genau an das erste Training mit Elias. Er verstand kein Deutsch, wir verständigten uns mit Handen und Füssen. Nach rund einer Stunde wollte er sich als Torhüter versuchen. Ich war erstaunt: in den letzten 30 Minuten des Trainings erzielten die Angreifer kein einziges Tor mehr!»

Andreas Bucher: «Elias' Reflexe als Torhüter waren atemberaubend. Er verstand zwar niemanden, hielt aber die Bälle, als gäbe es nichts leichteres. Manchmal sass Elias einfach am Boden herum, tanzte oder machte sogar den Handstand. Und doch wehrte er die Würfe der Gegner reihenweise ab.»

Marc Bruder: «Mit Elias war es immer sehr speziell. Er stand gelangweilt herum und man dachte, dass er mit seinen Gedanken in einer anderen Welt sei. Doch nur 10 Sekunden später reagierte er schnell wie der Blitz und flink wie ein Wiesel.»

Dimitri Costa: «Ich würde den Stil von Elias als unorthodox beschreiben, aber deshalb nicht weniger erfolgreich. Mit seinen Reflexen und seiner Beweglichkeit brachte er die Gegner immer wieder zur Verzweiflung.»

Andreas Bucher: «Ich weiss noch, als Elias an der Latte hing und der Gegenspieler im Konter angerannt kam. Aber Elias blieb einfach hängen, fuhr seinen Fuss aus und parierte den Wurf. So etwas hatte ich noch nie gesehen.»

Marc Bruder: «Ich erinnere mich an ein Spiel, an dem Edris sich bei mir beklagte, die Gegner seien so viel grösser als wir, da hätten wir doch keine Chance. Am Schluss der Partie hatte er neun Treffer auf seinem Konto.»

Dimitri Costa: «Edris hat mich immer erstaunt. Nach nur zwei Jahren sprach er beinahe akzentfrei Schweizerdeutsch. Er half bei allen Aktivitäten der Handballabteilung immer mit. Fiel mal ein Kioskhelfer aus, war Edris immer hilfsbereit und sprang in die Bresche.»

Andreas Bucher: «Bei einem Training fanden die Junioren im Geräteraum das Magnesium und blödelten damit herum. Edris kam voll Magnesium im Gesicht in die Halle zurück und meinte lachend: ‹Endlich bin ich weiss, bald erhalte ich den Schweizerpass!› Da mussten auch wir alle lachen.»

Marc Bruder: «Edris brachte immer viel Druck auf das gegnerische Tor. Ich hätte gerne mit ihm einmal Seite an Seite in der ersten Mannschaft gespielt.»

Andreas Bucher: «Edris war ein grosses Talent. Ich glaube, er wusste gar nicht, wie gut er eigentlich ist. Gegen den Lokalrivalen aus Olten warf er mal ganz locker sieben Tore - es hätten auch noch viel mehr sein können.»

Dimitri Costa: «Einmal musste ich Elias mit einer Platzwunde zum Arzt begleiten. Danach brachte ich ihn nach Hause, wurde dort von der Familie ganz herzlich empfangen und spontan zum Tee eingeladen. Obwohl wir uns alle nicht auf Deutsch verständigen konnten, weil auch die Kinder noch nicht lange in der Schule waren, unterhielten wir uns beinahe zwei Stunden mit Händen und Füssen.»

Andreas Bucher: «Beide Brüder gaben immer Vollgas für die Mannschaft. Sie haben sehr viel zum tollen Teamgeist beigetragen.»

 

Der Turnverein Balsthal wird euch in bester Erinnerung behalten, als ausgezeichnete Handballer und grossartige Menschen.

Für uns bleibt ihr für immer TVB-Handballer! 

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