Turnverein Balsthal

Drei Sekunden fehlten zum idealen Einstand

Von Doppelbelastung keine Spur: Spielertrainer Marc Bruder war in Zofingen auch der Balsthaler Toptorschütze. (Archivbild)
Samstag, 13. Januar 2018. Der Rückrundenstart ist dem TV Balsthal unter neuer Führung nur zur Hälfte geglückt. In Zofingen trennte sich das erstmals vom Duo Marc Bruder und Oliver Grolimund betreute Team gegen den punktgleichen Tabellennachbarn 30:30 (10:11). Der Ausgleichstreffer der Gastgeber fiel dabei erst drei Sekunden vor Schluss. Es war für den TVB der erste Punktgewinn der Saison in fremder Halle.

Oliver Grolimund, der Rückkehrer an der Seitenlinie war mit seiner ruhigen ARt eine Bereicherung für den TVB .(Archivbild)Oliver Grolimund stand noch lange nach Spielschluss hinter der TVB-Wechselbank und blickte ungläubig auf die Anzeigetafel. Dort leuchtete noch immer das Endresultat im grellen Rot: 30:30. Zwei gleiche Zahlen zwar, die allerdings das Seelenleben beider Mannschaften nicht unterschiedlicher widerspiegelten. Denn die erste 30 war erst nach dem Ertönen der Schlusssirene auf schwarzem Grund aufgetaucht und liess die Gastgeber einen unverhofften Punkt bejubeln. «So wie das Spiel gelaufen ist, darf ich mit dem Unentschieden sehr zufrieden sein», gestand auch Robert Nieberg, der Spielertrainer der Zofinger, nach Spielschluss. Er war es auch, der mit dem letzten Schuss den wenig zuvor eingewechselten Kay Stalder bezwungen hatte.

Fehlende Geduld (noch) als Manko

Für den TVB war der Ausgang mehr als bitter: Nur drei Sekunden fehlten zum ersten Auswärtssieg der Saison, drei Sekunden, die ein selbstbewusstes, kompaktes, ja zuweilen kaltschnäuziges Auftreten mit zwei wichtigen Punkten in ein anderes Licht hätten erscheinen lassen. «Das war ein guter Auftritt. Schade nur, dass die Jungs sich für die gute Leistung nicht selber belohnt haben», zog «Oli» Grolimund mit leiser Stimme trotzdem ein erstes positives Fazit. Es war dem neuen TVB-Coach aber deutlich anzumerken, dass ihn der entgangene Einstiegssieg wurmte. Denn zwischen Freud und Leid lagen letztlich 80 fatale Sekunden. 58:40 Minuten zeigte die Matchuhr an, als Marc Haefeli nach einem schnellen Tempovorstoss den Vorsprung des TVB auf 30:28 schrauben konnte. Es war der sechste Treffer für den rechten Flügel des TVB und es schien ein bedeutender zu werden. Zwar realisierte wenig später die Heimmannschaft den Anschluss zum 29:30, die Gäste blieben aber für die letzten 45 Sekunden im Ballbesitz. Beste Voraussetzung also, dem neuen Trainergespann einen Start nach Mass zu bescheren.

Vom Matchwinner zum Pechvogel: Nach dem Fehlschuss von Marc Haefeli glichen die Zofinger in den letzten Sekunden die Partie aus. (Archivbild)Doch es kam anders, und wiederum stand Marc Haefeli – diesmal unfreiwillig – im Mittelpunkt. Statt den letzten Angriff möglichst lange auszuspielen, leistete sich der 20-Jährige aus einem keineswegs günstigen Winkel einen ebenso unnötigen Fehlwurf – der Vorteil in den Schlusssekunden war weg. Deswegen aber den Stab über den Linkshänder zu brechen, wollte «Oli» Grolimund aber nicht. «Wir müssen allgemein mehr Geduld aufbringen. Das ist noch unser grosses Manko», sagt der Coach, der an der Seitenlinie viel Ruhe ausstrahlte, aber gleichzeitig in seinen Anweisungen sehr bestimmt auftrat.

So kamen die Gastgeber doch noch in den Genuss des letzten Angriffs – und liessen sich diese Chance zum Ausgleich nicht nehmen. Pikant dabei: Torschütze war ausgerechnet Robert Nieberg, der Spielertrainer der Aargauer. Der schussgewaltige 36-Jährige war nach überstandener Grippe geschwächt angetreten und hatte sich erst für die letzten fünf Spielminuten eingewechselt – mit durchschlagenden Erfolg: drei der letzten vier Zofinger Tore gingen auf sein Konto!

Neue Besen kehren gut

Der Ärger über die späte Punkteteilung war bei den Gästespielern verständlich. Ein Sieg wäre auch für die neue Teamführung Bruder/Grolimund ein idealer Start gewesen. Trotzdem darf das Duo den kommenden Dingen mit Optimismus entgegensehen. Denn wie heisst es doch immer so schön: Neue Besen kehren gut. Das Sprichwort traf in Zofingen durchaus zu. Die Mannschaft trat – zumal auswärts –mit einem deutlich gesteigerten Selbstvertrauen auf als noch im alten Jahr und wirkte vor allem als Mannschaft gefestigt. «Wir hatten in der kurzen Zeitspanne kaum Gelegenheit, gemeinsam zu trainieren und gezielt Änderungen vorzunehmen», entgegnete zwar der neue Spielertrainer Marc Bruder. Gleichwohl waren erste Veränderungen augenscheinlich. Die Mannschaft trat geschlossener auf, die lautstarke Unterstützung von Seiten der Einwechselspieler auf der Bank war bezeichnend.

In einer von Beginn weg ausgeglichenen Partie, in der die Führung bis zur Pause ständig wechselte, hielten die Gäste jederzeit mit. Dabei offenbarten die Balsthaler zwei bisher doch eher selten gezeigte Stärken: Nehmerqualitäten und Cleverness. Die erste stellten sie namentlich nach dem missglückten Start in die zweite Halbzeit unter Beweis. Innerhalb von lediglich fünf Minuten geriet der TVB gegen die nun stärker aufspielenden Zofinger mit vier Treffern in Rücklage (37.). Doch was früher – vor allem auf fremden Terrains – bereits einer Vorentscheidung gleichkam, war diesmal anders. Nach einem Time out (zum richtigen Zeitpunkt) waren es nämlich die Gäste, die das Geschehen übernahmen, wieder aggressiver auftraten und lediglich innert kürzester Zeit den Gleichstand wieder herstellten.

Spiel aus der Hand gegeben

Bis zehn Minuten vor Schluss spielten die Balsthaler zudem äusserst abgeklärt, wussten durch Spielwitz zu gefallen, varierten im Abschlussbereich geschickt. Nach 51 Minuten lagen sie gar 24:20 vorne und auch knapp vier Minuten vor Schluss führten sie mit 28:25. Das es letztlich trotzdem nicht reichte, war vor allem der noch immer zu hohen Zahl an technischen Fehlern geschuldet. «Da werden wir in den Trainings den Hebel ansetzen müssen», bestätigte Trainer Bruder, der bestimmt auch mit dem Spieler Bruder üben wird.

Mario Babić bewies in Zofingen wieder einmal seine Abschlussqualitäten und traf auch von der Siebenmeterlinie souverän. (Archivbild)Es gab aber im Spiel des TVB auch viele positive Ansätze. Einmal mehr überzeugte Torhüter Jonathan Bader, der mit seinen Interventionen – 26 Paraden, darunter drei neutralisierte Siebenmeter – die Gastgeber oft an den Rand der Verzweiflung brachte. Doch «Toni der Grosse» konnte sich meist auch auf seine konsequent agierenden Vorderleute verlassen. Die Defensive klappte vor allem in der ersten Halbzeit vorzüglich: lediglich zehn Gegentore sprechen für sich! Dafür war nach der Pause die Angriffsausbeute mehr als zufriedenstellend. Das hatte viele Gründe. Marc Bruder glänzte nach zuletzt nicht immer glücklichen Auftritten mit neun Toren und bestätigte seine Skorerqualitäten. Die Doppelfunktion Trainer und Spieler scheinen auf ihn keine Auswirkungen zu haben. Als äusserst effizient trat auch Mario Babić auf. Nach einem bescheidenen Start übernahm er im Laufe der Partie vermehrt Verantwortung und war auch im Abschluss mit acht Toren erfolgreich. Zwei Tore weniger erzielte Marc Haefeli, der namentlich nach der Pause am rechten Flügel für gehörigen Druck sorgte. Und auf der Gegenseite bestätigte Ciril Vogel mit drei wichtigen Treffern in der Schlussphase seine gute Form.

Das nächste Spiel der Handballer des TV Balsthal steht bereits am nächsten Wochenende an. Am Sonntag, 21. Januar, geht es nämlich nach Olten zum Kantonalderby gegen den HV Olten (Giroud-Halle, Spielbeginn 15.00). Für die Gastgeber wird es dabei das zweite Spiel innert 24 Stunden sein, müssen sie doch bereits am Samstag in Ins antreten.

Ein für einmal euphorisches: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Oliver Grolimund (der neue TVB-Coach vor dem Spiel auf die Frage, ob er nervös sei): «Wieso denn auch, ich spiele ja nicht.»
Marc Bruder (zu seiner Stellung als Spielertrainer): «Das bin ich während der Woche in unserer Halle. Bei den Spielen bin ich wie bisher nur Spieler.»
Mario Babic (nach dem Spiel): «Zufrieden? Nein! Für das hätten es zwei Punkte sein müssen.»
Robert Nieberg (Zofingens Spielertrainer zu seinem späten Einsatz): «Ich war in den letzten Tagen krank. Jetzt wird mir meine Frau die Leviten lesen.»

 

Telegramm:

3. Liga: TV Zofingen II - «s’Eis» 30:30 (10:11).
 Zofingen, BBZ. – 30 Zuschauer. – SR: Roland Metzmeier.  – Strafen: je 4mal 2 Minuten, Rote Karte gegen Daniel Blatter (3mal 2 Minuten)

TV Zofingen II: Patrick Buchmüller (bis 46./14 Paraden), Daniel Weber (ab 46./2 Paraden); Leandro Di Salvatore (1), Luigi Di Salvatore (6/1), Valentin Freiermuth (4), Robert Nieberg (3), Daniel Blatter (6), Flavio Wyss (5), Niccolo Wyss (5), Raphael Steiner, Timon Suter. – Offizieller: Robert Nieberg.

TVB: Jonathan Bader (bis. 60./26 Paraden), Kay Stalder (ab. 60.); Mario Babić (8/3), Marc Bruder (9/1), Marc Haefeli (6), David Bader (2), Silas Roos, Cirill Vogel (3), Michael Rogg (1), Ramon Rubitschung, Luis Volken, Lukas Scherrer (1), Aleksandar Petrovic. – Offizieller: Oliver Grolimund.

Bemerkungen: 8. Patrick Buchmüller hält Siebenmeter von Marc Bruder. 13. Jonathan Bader hält Siebenmeter von Niccolo Wyss. 21. Jonathan Bader hält Siebenmeter von Valentin Freiermuth (Nachschuss verwertet). Jonathan Bader hält Siebenmeter von Niccolo Wyss (Nachschuss verwertet). TVB ohne Simon Bader, Dimitri Costa (beide verletzt), Simon Grolimund, Leandro Favaro (beide Pause), Andreas Bucher (Rücktritt nach Verletzung).

/jpc

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