Turnverein Balsthal

Niederlage ist nicht gleich Niederlage

Marc Haefeli traf vom rechten Flügel insgesamt dreimal, seine Treffer gehörten zu den sehenswerten Aktionen des Spiels.
Samstag, 27. Januar 2018. Nach drei Heimsiegen in Folge musste der TV Balsthal in der heimischen Haulismatt wieder einmal eine Niederlage einstecken. Die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist wurde beim 20:24 (9:15) ihrer Favoritenrolle zwar gerecht, der Tabellenzweite musste aber für den Erfolg doch wesentlich mehr investieren als noch beim «Spaziergang» in der Hinrunde. Was durchaus als Kompliment verstanden werden kann.

Es gibt Daten im Leben, an die man sich nicht gerne erinnert. Ereignisse, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde. Bei den Handballern des TV Balsthal dürfte der 5. November 2017 so ein Datum sein. An jenem Sonntag stand die Auswärtspartie gegen die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist an. Und der TVB musste damals mit einer deutlichen 20:32-Klatsche ernüchternd die Heimreise ins Thal antreten. Zwar bezog der TVB am vergangenen Wochenende beim 21:38 im Kantonalderby gegen den HV Olten eine weitaus höhere Niederlage, doch an jenem Novembersonntag 2017 war die Partie gegen den damaligen Tabellenführer der Gruppe 10 eine regelrechte Vorführung gewesen. Bereits nach elf Minuten lagen die Aargauer mit 8:2 in Führung. Sie waren spielerisch gesamthaft um Welten überlegen, obwohl ohne zahlreiche Stammkräfte angetreten. Dem TVB wurden in Rothrist die eigenen Grenzen schonungslos aufgezeigt – vor allem aber die spielerischen Limiten brutal verdeutlicht! Der leise und bedrückte Abgang der TVB-Spieler aus der Breite-Halle war bezeichnend.

Mit neuem Selbstvertrauen

Spielertrainer Marc Bruder fand die Lücke in der Defensive der Gäste nur selten.Zwölf Wochen später nun die erwartete Niederlage gegen den gleichen Gegner. Diesmal fiel sie mit 20:24 jedoch weitaus geringer und humaner aus. Doch diesmal war auch ein anderes TVB-Team am Werk: Gleich von Beginn weg konzentrierter, selbstbewusster und auch spielerisch durchaus ansprechend. «Geht wie Sieger auf den Platz», lautete des Spielmotto, welches das neue TVB-Führungsduo vor der Begegnung auf der Taktiktafel mit grossen Buchstaben vermerkt hatte. Und die Spieler schienen dies zu beherzigen. Zumindest in den ersten 22 Minuten war dies der Fall, als das Team von Spielertrainer Marc Bruder und Coach Oliver Grolimund sich gegen die spielerisch wie erwartet versierteren Gästen achtbar aus der Affäre schlug, auch resultatmässig mithielt und lediglich 7:9 zurücklag.

Die letzten acht Minuten vor der Pause sollten allerdings den guten, meist soliden Eindruck der Anfangsphase wieder zunichtemachen. Altbekannte Muster schlichen sich wieder ein: zu viele Technische Fehler, träges Passspiel, Unkonzentriertheit vorne wie hinten, Wurfabgaben zum falschen Zeitpunkt, aber auch mangelnde Kaltblütigkeit im Abschluss. Vor allem stimmte die Abstimmung in der Abwehr nicht mehr. Der wieder glänzend disponierte Jonathan «Toni» Bader im TVB-Kasten wurde zu wenig unterstützt und oft sträflich alleine gelassen. «Wir haben in dieser Phase den Faden verloren und wurden dafür bestraft», gestand nach dem Match auch Marc Bruder ein. Und so nutzte der Gegner die TVB-Schwächen resolut aus und zog bis zur Pause auf 15:9 weg. Auch weil Kaspar Gruber sich von der Siebenmeterlinie unerbittlich zeigte und alle seine vier Versuche magistral verwerten konnte. Logisch, dass bei den Einheimischen böse Erinnerungen an das Hinspiel im November wiederaufkamen.

Das grosse Aufbäumen nach der Pause

Auch Mario Babic traf gegen die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist dreimal, davon zweimal von der Siebenmeterlinie.Doch Niederlage ist nicht gleich Niederlage, wie sich nach dem Seitenwechsel zeigen sollte. Denn die TVB-Akteure traten nach der Pause wieder mit einem anderen Selbstverständnis auf. Sie wirkten entschlossener, mannschaftlich geschlossener und agierten namentlich in der Defensive wieder konzentrierter. «Meine Vorderleute haben mich nach der Pause sehr gut unterstützt», gab denn auch Toni Bader das Lob für seine 14 Paraden nach dem Seitenwechsel an die Mitspieler weiter. Auch in der Offensive wurde das Spiel der Balsthaler variabler und dadurch für den Gegner weniger berechenbar. Gab es in der Vergangenheit was die Torproduktion anbelangt immer ein-zwei Spitzen, so verteilte sich diesmal die Trefferausbeute auf mehrere Akteure. Gleich neun von elf Feldspieler trugen sich diesmal in die Torschützenliste ein. Und ebenso erwähnenswert: Mit Mario Babić, Marc Bruder, Marc Haefeli, Ramon Rubitschung und David Bader waren gleich fünf Spieler dreimal erfolgreich und damit die produktivsten ihres Teams.

Das der TVB mit dem Treffer zum 16:18 nach 42 Minuten wieder im Spiel war, verdeutlicht die Leistungssteigerung der Einheimischen. Auch der Gegner schien sichtlich überrascht zu sein. Dabei profitierte der TVB sicherlich auch davon, dass sich die SG AOR nach der klaren Pausenführung wohl unbewusst etwas auf den Lorbeeren auszuruhen schien. Der selbstsichere Auftritt verdeutlichte aber auch den neuen Zeitgeist im TVB-Team. Noch vor kurzem hätte ein Sechs-Tore-Rückstand bei Halbzeit unweigerlich eine Klatsche nach sich gezogen, diesmal stemmten sich alle Spieler entschieden dagegen.

Es war nicht der grosse Tag von David Bader, dennoch netzte er insgesamt dreimal ein.Zwar liessen die Aargauer die Solothurner nie mehr als bis auf zwei Tore herankommen, dass sie aber im Schlussabschnitt mehrheitlich wieder mit der Stammsechs agierten, war ebenso bezeichnend. Und es wäre für die Gastgeber gar mehr drin gelegen, hätte sie im Anschluss an den Treffer zum 16:18 die numerische Überlegenheit zumindest teilweise ausgenutzt. Stattdessen agierte man im Angriff plötzlich zu überhastet und ungestüm. Das Resultat: Die Gäste entschieden diese wohl wegweisende Spielphase in Unterzahl mit zwei Toren zu null für sich und sorgten damit für eine Vorentscheidung. Die Einheimischen kamen in der Folge nochmals bis auf zwei Tore heran, die abgeklärten Aargauer liessen aber nicht mehr zu.

Immerhin: Der TVB hatte die zweite Hälfte mit 11:9 für sich entschieden, das Auftreten war trotz der bekannten Schwächen insgesamt positiv. «Wir sind auf gutem Weg», durfte nach Spielende ein zufriedener Marc Bruder feststellen, obwohl er selber lange überlegen musste, wann er persönlich in einem Punktespiel so wenige Treffer erzielt hatte. «Das ist letztlich unwichtig», hielt er den Zahlenspielereien entgegen. «Wichtig ist, dass wir wieder Moral zeigen und uns alle weiter zu verbessern versuchen.» Der Nachsatz war aber entscheidender: «Es braucht dazu aber noch viele Trainingseinheiten...», bemerkte er abschliessend. Der Aufwärtstrend ist jedenfalls unverkennbar – trotz Niederlage.

Jetzt geht es wieder auswärts. Die noch keineswegs berauschende Auswärtsbilanz aufzupolieren bietet sich den Handballern des TVB am nächsten Wochenende. Am Sonntag, 4. Februar, gastieren die Balsthaler bei der SG Langenthal-Huttwil im Campus Perspektiven in Huttwil (Spielbeginn 16.00). In der Hinrunde feierte der TVB einen 32:29-Heimsieg, mit einem neuerlichen Erfolg würde man in der Tabelle zu den Oberaargauern aufschliessen.

Also, auf geht’s TVB: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Marc Bruder (der TVB-Spielertrainer nach bei der Spiel zu seinen Spielern): «Mit der Leistung bin ich trotz Niederlage zufrieden. Denkt nur an Klatsche in der Hinrunde…»
Jonathan Bader (trotz 23 Paraden selbstkritisch): «In der ersten Hälfte lief es weniger nach Wunsch, danach war ich mit mir zufriedener.»
Andreas Graber (Gäste-Torhüter, die Leistung des TVB anerkennend): «Dass es so knapp werden würde hätte ich nicht gedacht.»
Ramon Rubitschung (der TVB-Präsident brachte am Vorabend seine erste GV über die Bühne) «Heute war ich bedeutend weniger nervös als gestern Abend.»
Oliver Grolimund (der TVB-Coach gewohnt cool): «Das passt schon. Gegen den Tabellenzweiten haben wir immerhin eine Halbzeit gewonnen.»

Telegramm:

3. Liga: «s’Eis» - SG Aarburg/Oftringen/Rothrist 20:24 (9:15).
 Balsthal, Haulismatt. – 80 Zuschauer. – SR: Thomas Beha.  – Strafen: je 3mal 2 Minuten.

TVB: Jonathan Bader (1.-58./23 Paraden), Kay Stalder (ab 58. Plus einen Siebenmeter); Mario Babić (3/2), Marc Bruder (3), Marc Haefeli (3), David Bader (3/1), Silas Roos, Cirill Vogel (2), Michael Rogg (1), Ramon Rubitschung (3), Lukas Scherrer (1), Luis Volken (1), Aleksandar Petrovic. – Offizieller: Oliver Grolimund.

SG Aarburg/Oftringen/Rothrist: Andreas Graber (11 Paraden); Ivan Antic (2), Kaspar Gruber (7/4), Silas Hilpert (2), Lukas Hilpert (3), Raul Giannelli (1), Michael Lehmann (1), Stefan Lanz (2), Reto Seifert (2), Gertjan van Vliet (1), Luca Nüssel (2/1), Zivko Boskovic (1), David Pirola. – Offizieller: Gertjan van Vliet.

Bemerkungen: 43. Kaspar Gruber setzt Siebenmeter neben Tor. 60. Andreas Graber hält Siebenmeter von Mario Babić, der den Nachschuss verwertet. TVB ohne Simon Bader, Dimitri Costa (beide verletzt), Leandro Favaro (überzählig); SG AOR ohne Andreas Stammbach, Daniel Erni, Philipp Rühl, Reto Peyer, Marcel Portmann, Patrick Eng, Marc Käser, Yannick Rühl.

/jpc

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