Turnverein Balsthal

Ein Rumpfteam trumpft gross auf

Dies war der Schlussstand nach 60 Minuten zwischen dem TVB und dem HV Herzogenbuchsee.

 

 

 

 


Samstag, 10. März 2018. Wer hätte das gedacht! Oder um es noch etwas heroischer auszudrücken: Was wirklich niemand erwarten durfte, traf für einmal ein! Im drittletzten 3.-Liga-Meisterschaftsspiel der Saison schlug der TV Balsthal den HV Herzogenbuchsee II 25:15 (10:8). Der Gegner war dabei nicht irgendwer: Die Oberaargauer führten bisher die Tabelle der Gruppe 10 souverän an – notabene ungeschlagen! Dabei waren die Voraussetzungen für die Gastgeber wahrlich wenig verheissungsvoll gewesen.

25:15 leuchtete es in Rot auf dunklem Hintergrund an der Anzeigetafel der Hausmatthalle, als die Schlusshupe ertönte. Und so mancher Zuschauer wird sich dabei, wie schon zuvor während den 60 Spielminuten, die Augen tüchtig gerieben haben. Denn die beiden Zahlen entsprachen so gar nicht den Vorhersagen: 25 Tore für die personell leidgeprüften Gastgeber, lediglich 15 Treffer für den haushohen Favoriten aus dem Oberaargau. Und was – sinnbildlich – dazwischen lag war schlichtweg eine Sensation: 10 Tore Differenz zugunsten des krassen Aussenseiters, der beim 19:31 im Hinspiel in der Mittelholzhalle in Herzogenbuchsee noch regelrecht vorgeführt worden war. 25:15, das waren satte 10 Tore Differenz zwischen dem im Abstiegskampf involvierten TVB und dem bislang ungeschlagenen Tabellenführer. Eine kleine Handballwelt stand in diesem Moment in der Haulismatthalle Kopf.

Sich selber überrascht

Da gabs 'was zu feiern nach dem Sieg gegen den Tabellenführer. (Archivbild)Keine Überraschung war hingegen die unterschiedliche Stimmung bei den Teams nach Spielschluss. Während die Gästespieler gesenkten Hauptes und sichtlich resigniert die Halle verliessen, feierten die TVB-Spieler noch lange im Kreis hüpfend und ausgelassen jubelnd ihren Husarenstreich. Immer wieder unterbrochen durch spontanes Brustspringen einzelner TVB-Akteure. Der Übermut  der Sieger war berechtigt, die Glückseeligkeit in den funkelnden Augen ebenfalls. Das war nicht allein nur reine Freude, sondern ebenso Ausdruck der eigenen Überraschung. Keiner fasste die Stimmung danach besser zusammen als Rückraumspieler Lukas Scherrer: «Wenn ich morgen in der Tabelle bei Herzogenbuchsee die eins unter der Spalte Niederlagen sehen werde, kann ich sagen: das waren wir!» Verständlich also, dass die einheimischen Spieler noch lange in Matchmontur die Halle säumten und vielen Zuschauern den Coup persönlich erklären mussten. Mit einem 25:15-Sieg, und schon gar nicht in dieser Deutlichkeit, hatte wahrlich niemand gerechnet. Die Freude war spontan, das obligate Siegesbierchen schmeckte dadurch noch besser.

Die Gastgeber hatten bereits zu Beginn der Partie dem Favoriten angedeutet, dass sie besser entgegengehalten wollten als noch im vergangenen November. Zwar stand es nach 10 Minuten lediglich 1:1, beide Teams bekundeten im Abschluss noch grosse Mühe. Das 4:2 gab den Einheimischen Sicherheit, danach gaben sie die Führung bis zum Schluss nicht mehr ab. Zur Pause stand es 10:8. Zwar versuchte Herzogenbuchsee nach dem Seitenwechsel der Begegnung eine Wende zu geben, das gelang aber nicht. Auch weil die Gastgeber konzentriert weiterspielten und für einmal nicht nachliessen, wie zuvor so oft im Verlauf der aktuellen Saison. An dieser Stelle muss aber auch festgehalten werden, dass die Berner gegenüber der Hinrunde auf sechs Akteure verzichten mussten, die beim 31:19-Sieg noch für 17 Tore verantwortlich zeichneten. Doch wie auch immer: Der TVB liess den Tabellenführer nie mehr als bis auf einen Treffer herankommen. Und ab Mitte der zweiten Halbzeit setzten sich die erstaunlich selbstsicheren Gastgeber immer mehr ab. Die grosse Tordifferenz entsprach schliesslich dem Stärkeverhältnis an diesem Samstag.

Die beiden Nachzügler überzeugten

"Supermario" sollte eigentlich gar nicht spielen, trug dann aber doch viel zum Sieg gegen den HVH bei. (Archivbild)Dabei schien das Schicksal es im Vorfeld der Partie nicht unbedingt gut mit den Solothurnern zu meinen. Gleich auf sechs Stammspielern musste das neue Führungsduo Marc Bruder und Oliver Grolimund gegen den Leader verzichten. Allein auf den Flügelpositionen fehlten drei Akteure. Hätten sich Dimitri Costa (der Stammtorhüter der Hinrunde legt aufgrund seiner fünften Hirnerschütterung bis Ende Saison eine Pause als Torhüter ein) sowie Mario Babić (eigentlich aufgrund eines Abszesses nicht spielfähig) nicht im letzten Moment zur Verfügung gestellt, wäre der personelle Notstand des TVB noch prekärer ausgefallen. «Ich war doch überrascht, als Mario doch noch auflief», gestand Spielertrainer Marc Bruder.

Die beiden «Notnägel» leisteten letztlich ihren Beitrag am Überraschungscoup. Dimitri Costa, bereits in der vergangenen Spielzeit sporadisch am Flügel eingesetzt (sechs Tore!), wusste auf der für ihn dennoch ungewohnten Position zu gefallen. Weniger wegen seiner beiden Treffer, als vielmehr durch sein konsequentes und ebenso geschicktes Defensivverhalten. Dass «der Verrückte» die gesamten 60 Minuten durchspiele, erstaunte ihn wohl am meisten. Auch Spielmacher Mario Babić kam trotz Verletzung von Beginn weg zum Zuge. Er integrierte sich erstaunlich schnell wieder in die Abläufe im Spielaufbau. In der Schlussphase setze er gar mit einigen raffinierten Zuspielen die gewohnten Akzente.

Defensive aus einem Guss

Die beiden Torgaranten: David Bader und Marc Bruder klatschen ab. (Archivbild)Gründe für den überraschenden Sieg gab es einige. Einerseits bestätigte der TVB die zuletzt offenbarten spielerischen Fortschritte im Spielaufbau erneut. Ein derart geschlossener Mannschaftsauftritt war allerdings aufgrund der schmalen Spielerdecke dennoch erstaunlich. Andererseits war im Abschlussbereich erneut auf Topskorer Marc Bruder Verlass. Mit 9 Toren, davon 3 Siebenmeter, hat er damit seine Stellung in den vorderen Regionen der Gruppentorschützenliste gefestigt. Auch David Bader setzte gegen den Tabellenführer immer wieder zu seinen berüchtigten Nadelstichen an – 5 Treffer waren der Lohn dafür. Im Rückraum kam schliesslich Lukas Scherrer zu längeren Einsätzen und empfahl sich nicht allein aufgrund seiner beiden Treffer auch in Zukunft für mehr Einsatzzeit. Beachtlich auch die Leistungssteigerung von Ramon Rubitschung im Abschluss. Dem TVB-Präsidenten behagte augenscheinlich der Wechsel Mitte der ersten Halbzeit zurück auf die rechte Flügelseite sichtlich – sechs Treffer waren die erfreuliche Folge!

Die Basis zum spektakulären Erfolg legten die Balsthaler allerdings in der Defensive. Nur 15 Gegentore gegen die beste Offensive der Gruppe sind ein Qualitätsmerkmal. Dabei ersetzte der junge Aleksandar Petrovic im Zentrum den verletzten Silas Roos mehr als würdig und überzeugte, solange die Kräfte reichten. Und hinten glänzte Jonathan Bader einmal mehr mit seinem sicheren Stellungsspiel und den vielen hervorragenden Interventionen. Für die Leistungen von «Toni den Grossen» gehen langsam die Superlativen aus. Der Balsthaler Schlussmann war erneut schlicht überragend. Dass hinter der unbestrittenen Nummer 1 mit Kay Stalder ein hoffnungsvolles Talent heranreift, bewies dieser mit einem in der Schlussminute abgewehrten Siebenmeter.

Das nächste Spiel für die Handballer des TV Balsthal steht in zwei Wochen an. Am Samstag, 24. März, geht es für den TVB in Büren (Turn- und Sporthalle, Spielbeginn 17.00) gegen den auf den drittletzten Rang abgerutschten Heimklub darum, auch rechnerisch den Ligaerhalt sicherzustellen.

Ein für einmal berechtigt euphorisches: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Oliver Grolimund (der TVB-Coach nach Spielschluss): «Den Leader mit zehn Toren Unterschied zu schlagen kommt nicht alle Tage vor.»
Marc Bruder (in die gleiche Kerbe): «Blaue Flecken waren schon lange nicht mehr so angenehm.»
Dimitri Costa (der stürmende TVB-Goalie): «Zwei Treffer bei drei Versuchen ist für einen Torhüter nicht schlecht.»
Mario Babic (stellvertretend für seine Mitspieler): «Das hat wieder einmal grossen Spass gemacht.»

Telegramm:

3. Liga: „s’Eis“ – HV Herzogenbuchsee II 25:15 (10:8).
 Balsthal, Haulismatt. – 100 Zuschauer. – SR: Sandra Schaad. – Strafen: Keine!

TVB: Jonathan Bader (1.-59./18 P.), Kay Stalder (ab 60./1 P.); Marc Bruder (9/3), Mario Babić (1), David Bader (5), Ramon Rubitschung (6), Lukas Scherrer (2), Dimitri Costa (2), Aleksandar Petrovic, Simon Grolimund. – Offizieller: Oliver Grolimund.

HV Herzogenbuchsee: Sandro Häfliger, Nicola Aeschbach; Marcel Bovey (2), Christoph Bratschi (1), Martin Günter (3), Dominik Hofer, Remo Lienhard (3), Flavian Müller (3), Maximilian Puls, Markus Winkelmann (2), Marco Wolf, Rafael Zilic, Reto Sommer (1). – Offizieller: Daniel Märki.

Bemerkungen: TVB ohne Cirill Vogel, Luis Volken, Michael Rogg und Marc Haefeli (alle abwesend), Silas Roos und Simon Bader (beide verletzt), Andreas Bucher (Rücktritt) und Leandro Favaro (nicht aufgeboten). Herzogenbuchsee gegenüber dem Hinspiel ohne Manuel Akermann, Jonas Frey, Janis Ita, Rolf Schaad und Patrick Siegenthaler. TVB-Torhüter Kay Stalder (60. Minute) und Jonathan Bader (47.) halten je einen Siebenmeter.

/jpc

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