Turnverein Balsthal

Ein Denkmal für «Toni den Grossen»

Die Pose stimmt: Jonathan "Toni" Bader hatte beim Rückrundenauftakt fast alles im Griff.Samstag, 14. Januar 2017: Beim ersten Rückrundenspiel hat es endlich auch auswärts geklappt. Beim Tabellenschlusslicht TV Schupfart siegte der TV Balsthal erstmals in fremder Halle mit 16:13 - allerdings erst nach einer aufreibenden Partie. Der Ligaerhalt ist damit ein grosses Stück näher gerückt. Doch auf den Sieg dürfen sich die Balsthaler nicht viel einbilden. Ohne die Galavorstellung von Torhüter Jonathan Bader hätte das Gastspiel im Aargau ebensogut mit einer weiteren Bruchlandung enden können.

«Die Statistik lügt nie», pflegt man in Wissenschaftskreisen zu behaupten. Andernorts stösst diese These nicht überall auf die gleiche Gegenliebe. Auf «Toni den Grossen» bezogen trifft sie allerdings vollumfänglich zu. Denn die Zahlen sprechen für ihn: Lediglich elf (in Ziffern: 11!) Gegentreffer in 56 Minuten und 15 Sekunden Spielfeld-Präsenz! Dazu sagenhafte 29 Paraden, 14 in der ersten Hälfte, 15 nach der Pause! Das Ganze ergibt die sensationelle Abwehrquote von 73 Prozent! Das ist überragend! Oder mit den Worten seines Teamkollegen und Goalie-Antipoden Dimitri Costa: «Toni war nicht nur gross, sondern schlichtweg grossartig!» Die fünf Ausrufezeichen rechtfertigte auch sein letztjähriger Trainer Oliver Grolimund, der als interessierter Zuschauer das Duell des Tabellenschlusslichtes gegen den Drittletzten der Gruppe 7 verfolgte, mit der Feststellung: «Toni hat die Mannschaft immer wieder im Spiel gehalten.» 

 

 Positive Bilanz bei 4 gegen 6

Auf die überragende Quote von 73% abgewehrter Bälle angesprochen, blieb die Balsthaler Nummer 1 gelassen. «Während der Partie hatte ich nicht unbedingt das Gefühl, besser gehalten zu haben als in anderen Spielen.» Einzig in den 90 Sekunden doppelter numerischer Unterlegenheit (18.), als er gleich fünf hochkarätige Chancen der Einheimischen in Folge zunichtemachte, habe er gespürt, wichtige Bälle abgewehrt zu haben. Dass der TVB in dieser Spielphase beim Stand von 4:4 nicht erstmals in Rückstand geriet, sondern die 4-gegen-6-Situation sogar mit einer 1:0-Bilanz beendete, sei, so der Balsthaler Schlussmann, für die Moral seiner Vorderleute wichtig gewesen. «In der vergangenen Saison hätten wir solche Spiele verloren», ist sich Jonathan Bader sicher. Die Lorbeeren wollte er jedoch nicht allein für sich in Anspruch nehmen. Er gab sie gar bescheiden seinen Vorderleuten weiter. «Von zwei-drei Ausnahmen abgesehen, haben sie mich sehr gut unterstützt. Und mir so bei meinen Aktionen sehr viel geholfen», meinte der TVB-Torhüter trocken.

Das entsprach allerdings weniger der Wahrnehmung der neutralen Beobachter. Zwar suggerieren die lediglich 13 Gegentore auf den ersten Blick eine positive Abwehrarbeit. Werden die insgesamt 30 Torhüterparaden dazu gestellt, ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Gegen die technisch wie taktisch doch äusserst limitierten Gastgeber, die letztlich ihre Ranglistenstellung voll rechtfertigten, bekundeten die Balsthaler viel Mühe. Bis zur 44. Minute (10:12) konnte der TVB jeweils höchstens zwei Tore vorlegen. Auch weil das Geier-Team in der Offensive oft zu statisch und berechenbar aufspielte. Es mangelte an Bewegung, ebenso an Entschlossenheit, letztlich auch an Kreativität. Dies allein auf die harte Gangart der Einheimischen zurückzuführen, wäre aber zu einfach. In der eigenen Defensivzone wurde nämlich mit gleicher körperlicher Robustheit agiert. 

«S’Eis» hat den Auswärtsfluch besiegt. Erstmals holte das Team von Max Geier im schwarz-pinken Auswärtsdress gegen Schupfart zwei Punkte.Nur der Sieg zählte

Im Angriff wurden dagegen zu viele hochkarätige Chancen leichtsinnig vergeben. Was auch das Verdienst von Schupfart-Goalie Christoph Heiz war, der sich namentlich in der zweiten Halbzeit enorm steigerte und eine sehr gute Abwehrquote von 52% erreichte. So fiel die Entscheidung erst in der Schlussphase der beidseits nicht immer mit fairen Mitteln geführten Begegnung. In der 45. Minute gelang dem am rechten Flügel wendigen und entschlossen aufspielenden Marc Haefeli mit dem Treffer zum 13:10 erstmals der Ausbau der Führung auf drei Tore. Nach einem mit viel Glück verwerteten Siebenmeter-Nachschuss (!) baute Michael Rogg den Vorsprung, halb sitzend, halb liegend, auf 14:10 aus (49.). Erst in der 58. Minute war es jedoch David Bader, der mit einem überraschend direkt verwandelten Freiwurf (bei längst angezeigten Zeitspiel) zum 16:11 die Vorentscheidung herbeiführte. Die beiden letzten Gegentreffer der Einheimischen in der Schlussminute waren nur noch Resultatkosmetik.

Dank dem ersten Auswärtssieg weist der TVB nun bereits acht Punkte Vorsprung auf Schupfart und damit dem einzigen Abstiegsplatz auf. Das sollte für den Ligaerhalt eigentlich reichen. «Heute zählte nur der Sieg. Alles andere war zweitrangig», stellte Trainer Max Geier sichtlich erleichtert fest. Ihm waren allerdings die Defizite im Spiel seiner Mannschaft nicht entgangen. Und mit schelmischem Blick sprach Marc Bruder, Team-Goalgetter und Ressortleiter Handball des TVB, von der «besten Auswärtsleistung der Saison». Um die gewagte Behauptung sogleich mit breitem Grinsen zu relativieren. «Schliesslich haben wir erstmals auswärts gewonnen.» 

War das die Trendumkehr in fremden Hallen? Um dies zu bestätigen, haben die Balsthaler bereits am nächsten Wochenende Gelegenheit. Am Samstag, 21. Januar, heisst der Gegner Frick (Halle Ebnet, Spielbeginn 14.30). Der Tabellenvorletzte weist in der Rangliste allerdings nur zwei Zähler weniger auf als der TVB. Beste Gelegenheit also, einen weiteren Konkurrenten zu distanzieren und sich gleichzeitig in der Rangliste weiter nach vorne zu verbessern.

Also wieder einmal ein: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Max Geier (vor dem Spiel): «Heute geht es um mehr als nur um zwei Punkte.»
Dimitri Costa zu Simon Tang (nach abgefälschter Abwehr ins eigene Gehäuse): «Gratuliere! Dein erster 3.-Liga-Treffer. Bitte das nächste Mal ins gegnerische Tor.»
Oliver Grolimund (nach der x-ten vergebenen Chance): «Es ist zum Verzweifeln. Wir leisten denen Erste Hilfe.»
Marc Bruder (nach dem Spiel im Siegerkreis): «Jetzt werden wir zu einer Auswärtsmannschaft!»
Fabian «Ché» Müller (im Teamchat): «Gratuliere Jungs! Habe noch nie mit nur 16 Toren ein Spiel gewonnen. Habt ihr nur eine Halbzeit lang gespielt?»

 

Telegramm:  

3. Liga: TV Schupfart  - „s’Eis“ 13:16 (7:8).

Stein, Bustelbach. – 22 Zuschauer. – SR: Ernst Moser. – Strafen: 3mal 2 gegen Schupfart, 5mal 2 gegen Balsthal. 

TVB: Jonathan Bader (1-57./29 Paraden), Dimitri Costa (1 Siebenmeter, dazu ab 57./1 P.); David Bader (3), Simon Bader (1), Marc Bruder (4/1), Mario Babic, Marc Haefeli (4), Silas Roos (1), Ramon Rubitschung (2), Michael Rogg (1), Lukas Scherrer, Simon Grolimund, Simon Tang. – Offizieller: Maximilian Geier.

TV Schupfart: Christoph Heiz (1-60./15 Paraden); Simon Beck (2), Kevin Ruflin (3), Michael Ruflin (2/2), Robin Ruflin (2), Rico Schlienger (4), Marco Schlienger, Remo Schlienger, Noah Bottlang, Joël Erni, Adrian Ruflin, Florian Hochstrasser. – Offizieller: Mathias Beck.

Bemerkungen: Gehaltene Siebenmeter: Christoph Heiz (48./Mario Babic und 49./Michael Rogg, Nachschuss verwertet); Dimitri Costa (57./Michael Ruflin). 13. Siebenmeter von Marc Bruder an den Pfosten. Schupfart ohne Tobias Keller und Denis Gutzwiller; TVB ohne Andreas Bucher, Ciril Vogel, Noah Lüthi (alle verletzt), Simon Hafner, Nicolas Ehrsam, Luis Volken (alle abwesend), Leandro Favaro (überzählig). Debut in der ersten TVB-Mannschaft von Simon Tang.

/jpc

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