Turnverein Balsthal

In den letzten 14 Sekunden den Sieg «verschenkt»

Alles eine Frage des Selbstvertrauens: Mario Babić setzt sich kraftvoll gegen den Fricker Jonas Hürzeler durch. (Bild vom Vikings Cup im August 2016)Samstag, 21. Januar 2017: Der TV Balsthal scheint im neuen Jahr auch auswärts auf Touren zu kommen. Nach dem wichtigen Sieg in Stein gegen Schupfart (16:13) kehrten die Thaler auch vom Gastspiel aus Frick nicht mit leeren Händen zurück. Allerdings muss der Punktgewinn beim 21:21 eher als vergebene Chance eingestuft werden. 14 Sekunden vor Schluss führte der TVB nämlich mit zwei Toren Vorsprung (!), ehe die Gastgeber die Niederlage noch abzuwenden wussten. Mit einem verwandelten Siebenmeter nach Ablauf der regulären Spielzeit erzielten sie den kaum mehr für möglich gehaltenen Ausgleichtreffer. 

Wir alle kennen die berühmte Streitfrage, ob ein Glas halb voll oder halb leer ist. Selbst in der Psychologie und Philosophie befasst man sich damit. Die gängigen Antworten führen schnurstracks und tiefschürfend zur Frage der Weltanschauung. Für die Optimisten ist demnach das Glas halb voll, die Pessimisten werden sich für halb leer entscheiden. Für die sichtlich konsternierten Akteure des TV Balsthal stellte sich nach der Schlusssirene in der Ebnet-Halle die gleiche Frage: War das Glas nach dem 21:21 nun sinnbildlich halb voll oder halb leer? Halb voll, weil die personell arg gebeutelte Mannschaft den Aufwärtstrend in fremden Hallen mit dem dritten Punktgewinn in Folge bestätigen konnte. Vor allem aber, weil sie endlich wieder einmal spielerische Akzente setzte, als echte Einheit auftrat und mehrheitlich zu überzeugen wusste – allen Verletzungssorgen zum Trotz! Halb leer natürlich mit Blick auf den Spielverlauf. Wer während der gesamten Partie nur einmal in Rückstand gerät (43./14:15) und in den letzten 14 Sekunden der Begegnung eine Zwei-Tore-Führung auf so leichtfertige Art und Weise (unnötiger Ballverlust) preisgibt, muss sich doch kritische Fragen gefallen lassen. 

Der fliegende ... Torhüter

Dimitri Costa auf Abwegen. Gegen Frick glänzte der Torhüter als variantenreicher Flügelspieler. (Archivbild)Die Frage nach halb voll oder halb leer, nach Optimist oder Pessimist – oder wie auch immer – wurde erwartungsgemäss von den Hauptdarstellern nicht gleich beantwortet. Max Geier sah das Remis grundsätzlich als Folge einer positiven Entwicklung. «Wir treten endlich auch auswärts mit viel Selbstvertrauen an. Vor allem aber mit sehr viel Mut», freute sich der TVB-Trainer. Er lobte insbesondere die von seiner Mannschaft offenbarten spielerischen Fortschritte. «Man darf nicht vergessen, dass wir heute personell nochmals geschwächt waren», bemerkte der 28-Jährige. Mit Michael Rogg und Marc Häfeli (vier Treffer im letzten Spiel und mit 16 Toren in der internen Skorerliste bisher auf Rang 3) verlängerte sich die ohnehin schon lange Absenzenliste nochmals.

Namentlich auf den Flügelpositionen war Geier zum Improvisieren gezwungen. Ab der 10. Minute stellte er mit Penaltykiller Dimitri Costa seinen zweiten Torhüter unverhofft auf die Aussenbahn. Und dies – wie sich herausstellten sollte – mir Erfolg! Denn der 21-Jährige spielte nicht nur bis zum Schluss keck auf, sondern war auch effizient. «Der Verrückte» realisierte vier sehenswerte Tore. Bei drei Fehlversuchen (davon einmal an den Pfosten) eine für einen Goalie doch beachtliche Bilanz. Die Nummer 20 holte zusätzlich noch einen Siebenmeter heraus, den Marc Bruder sicher verwandelte.

Dass Letzterer überhaupt auflief, war nicht selbstverständlich. Akute Knieprobleme sowie die noch nicht ganz auskurierte Verletzung am Daumen der Wurfhand zwangen den Balsthaler Topskorer, die ersten 15 Minuten des Spiels zunächst auf der Auswechselbank zu verfolgen. Beim ersten Einsatz auf der Platte zeigte der Ressortleiter Handball des TVB, wie wichtig er für das junge Team ist. Er benötigte nur gerade 40 Sekunden um seinen ersten Treffer zu erzielen. Am Ende durfte er sich – trotz einiger Einsatzpausen – wieder 5 Tore gutschreiben lassen, darunter drei Siebenmeter. Mittlerweile beträgt seine Torausbeute 66 Saisontreffer. 

Der Lauf des Mario Babić

Mario Babić war in Frick mit sechs Treffern der erfolgreichste TVB-Torschütze. (Bild vom Match gegen Muttenz im Dezember 2016)In Frick stand allerdings ein anderer TVB-Spieler im Mittelpunkt und war erfolgreicher. Mario Babić erzielte pro Halbzeit je drei Treffer und hätte damit zum Matchwinner der Gäste avancieren können. Hätte, denn in der Schlussphase wurde er zur tragischen Figur. Einerseits setzte er in 54. Minute beim Stand von 19:18 einen Siebenmeter neben das Tor. Andererseits war er wenige Sekunden vor Schluss der Ausgangspunkt des ärgerlichen Ballverlustes, der zum Siebenmeter und damit zum definitiven Ausgleich der Gastgeber führte.

Die eingangs zitierte philosophische Frage nach «halb voll oder halb leer» war für den 19-Jährigen leicht zu beantworten. «Nach so einem entscheidenden Fehler kann ich persönlich trotz sechs Toren nicht zufrieden sein», zeigte sich Babić selbstkritisch. Die angespannte Körperhaltung verriet dabei seinen grossen Frust. Max Geier nahm jedoch «Balić» – wie der Rückraum-Mitte-Spieler in Anlehnung an den kroatischen Ausnahmekönner mannschaftsintern genannt wird – sogleich in Schutz. «Das kann passieren.» Auch wollte der Trainer ihm die Verantwortung für den Punktverlust nicht aufbürden. «Gerade Mario ist einer jener Spieler, die zuletzt sehr grosse Fortschritte gemacht haben.  Er reift immer mehr zu einer tragenden Spielerpersönlichkeit heran. Das hat er heute erneut bewiesen», lobte der Trainer seinen jungen Schützling und ergänzte:. «Das macht viel Freude.»

Auch Babić spürt das wachsende Vertrauen von Trainer und Mannschaft ihm gegenüber. Im Vergleich zum Saisonstart hat sich seine Einsatzzeit um ein Mehrfaches verlängert. Und damit auch seine Torproduktion. Traf er in den ersten sieben Meisterschaftsspielen (bei nur vier Einsätzen!) lediglich vier Mal, so darf sich die Ausbeute von 17 Toren aus den letzten vier Partien sehen lassen. Dies, obwohl er zuletzt ausgerechnet gegen den Tabellenletzten Schupfart leer ausging. «Das Selbstvertrauen ist gewachsen. Mir gelingen jetzt auch vermehrt erfolgreiche Sprungwürfe», huschte am Ende doch noch ein kurzes Lächeln über sein Gesicht. «Übung macht den Meister», witzelte er gar und fand am Schluss doch noch einen positiven Aspekt. «Bei den vielen Absenzen können wir mit dem Unentschieden eigentlich zufrieden sein. Ein Punkt ist besser als gar keiner», sagte der Elektroplaner in Ausbildung beinahe philosophisch. Einen Wunsch hat er aber noch: Die Verletztenliste soll sich möglichst schnell verkürzen. «Dann können auch wir wieder durchschnaufen und richtig angreifen.» 

Die Chancen dazu stehen gut. Vorerst haben die vielen angeschlagenen Spieler nämlich zwei weitere Wochen Zeit, die Verletzungen auszukurieren. Und der TVB damit die Möglichkeit, die lange Absenzenliste abzutragen. Danach steht das vierte Auswärtsspiel in Serie auf dem Spielplan. Am Freitag, 3. Februar, geht es zum Tabellendritten Muttenz (Kriegacker, Spielbeginn 20.30). Vielleicht poliert dann der TV Balsthal seine derzeit noch bescheidene Auswärtsbilanz weiter auf.

In diesem Sinn ein: B.U.M. - BUUUUUM!

 

Aufgeschnappt

Max Geier (zur Pause zur Mannschaft): «Es ist der Hammer, wie ihr allen gezeigt habt, dass es euch scheissegal ist, dass so viele Spieler verletzt fehlen.»
Marino Schmid (Frick, in der Halbzeitpause): «Nur neun Tore?! Das macht doch meine Oma im Schlaf besser.» (man achte auf seine persönliche Bilanz: 0 Tore!)  
Ramon Rubitschung (erstmals als TVB-Präsident im Einsatz): «Natürlich ärgert mich der entgangene Sieg. Noch mehr aber meine eigene Leistung. Präsident hin oder her.»
Dimitri Costa (zum nachdenklichen Mario Babić): «Wir gewinnen als Team. Wir verlieren als Team. Und manchmal machen wir auch ein Unentschieden als Team.»

 

Telegramm:

3. Liga: TSV Frick - „s’Eis“ 21:21 (9:11). 

Frick, Ebnet. – 60 Zuschauer. – SR: Max Leimgruber. – Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Frick, 1mal 2 Minuten gegen Balsthal. 

TSV Frick: Matthias Hausherr (1.-17. + 18.-60./11 Paraden), David Güller (17.-18./1 P.); Beat Grenacher (7), Jonas Hürzeler (5), Colin Brüderlin (1), David Güller (3), Marino Schmid, Janik Fürst (3/1), Marco Käser, Philipp Käser (1), Dirk Frank, Ramon Schmid, David Herzog, Robin Zwahlen. – Offizieller: Christian Pastor.

TV Balsthal : Jonathan Bader (20 Paraden); Dimitri Costa (4); David Bader (1), Simon Bader (1), Marc Bruder (5/3), Mario Babić (6), Silas Roos (2), Ramon Rubitschung (1), Lukas Scherrer (1), Simon Grolimund, Simon Tang (n.e.). – Offizieller: Maximilian Geier.

Bemerkungen: Verschossene Siebenmeter: 13. Marino Schmid (Pfosten), 56. Beat Grenacher (gehalten); 54. Mario Babic (daneben). TVB ohne Michael Rogg (krank), Andreas Bucher, Cirill Vogel, Noah Lüthi, Marc Haefeli (alle verletzt), Simon Hafner, Nicolas Ehrsam (beide abwesend), Leandro Favaro (überzählig). 

/jpc

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