Turnverein Balsthal

17:18, oder die Suche nach dem «Warum»

Cirill "Siggi" Vogel zeigte sich beim Comeback in alter Stärke. (Archivbild)Samstag, 18. Februar 2017: Der TV Balsthal scheint zu Hause das Siegen verlernt zu haben. Hielt sich der TVB beim Saisonauftakt dreimal in Folge schadlos, so wartet er nun seit dem 12. November auf den nächsten Erfolg vor heimischen Publikum. Das 17:18 gegen die HSG Eiken war bereits die dritte Heimniederlage in Folge. In einer ausgeglichenen und animierten Partie fiel die Entscheidung 35 Sekunden vor Schluss zuungunsten der Gastgeber. Dies nach einer zurecht ausgesprochenen Roten Karte und einem anschliessend verwerteten Siebenmeter. Dabei hatte der TVB bis kurz vor Schluss immer geführt, leistete sich aber in den entscheidenden Momenten zu viele (mentale) Fehler.

Die Szenerie nach der Schlusssirene sprach für sich: Auf der einen Seite feierten die Gästespieler aus dem Bezirk Laufenburg ausgelassen mit wilden Freudentänzen den knappsten aller Erfolge. Auf der anderen Seite lagen die Balsthaler Akteure enttäuscht, ja sichtlich frustriert am Boden. Sie schienen in diesem Moment die (Handball-)Welt nicht mehr zu begreifen. Und haderten mit dem Schicksal – vielleicht aber auch mit dem eigenen Unvermögen. Denn Gelegenheiten, sich entscheidend abzusetzen, hatte der TV Balsthal im Verlauf der Partie einige. Zumindest während den ersten 40 Minuten zeigten die Gastgeber allerdings sowohl spielerisch als auch kämpferisch eine erfrischend gute Leistung wie seit langem nicht mehr. In der Defensive agierte man so kompakt und aufsässig wie zu Beginn der Saison. Weil im Tor nach einem etwas durchzogenem Start (erste gelungene Abwehr nach 13 Minuten) sich auch Goalie Jonathan Bader zu steigern wusste (am Schluss waren es 13 Paraden, darunter drei entschärfte Siebenmeter), schien der erste Sieg nach zwei Heimpleiten lange Zeit durchaus möglich.

Gelungenes Comeback von «Siggi»

Zumal die Gastgeber auch im Angriff zu gefallen wussten. Der Ball zirkulierte mit viel Zug durch die eigenen Reihen. Die Aktionen wurden (endlich) auch variantenreicher vorgetragen und waren so für den Gegner weniger berechenbar. Das war zwar nicht allein auf den Einsatz von Cirill Vogel auf der linken Flügelposition zurückzuführen. Dessen Comeback beflügelte dennoch das Offensivspiel der Thaler. Die sprunggewaltige Nummer 9 stand letztmals am 12. November beim Handball-Event gegen Zurzibiet auf dem Matchblatt. Danach zwang ihn eine hartnäckige Schulterverletzung die letzten sieben Meisterschaftsspiele zum Zuschauen. Umso mehr freute sich der 23-Jährige über seine gelungene Rückkehr mit zwei Toren. «Es war einfach schön, wieder zusammen mit den Kollegen spielen zu können», strahlte «Siggi» einerseits. Andererseits ärgerte auch er sich über die Niederlage, die er als «unnötig» bezeichnete. «Wir haben es verpasst, den Sack zuzumachen», gestand Vogel mit Wehmut. Er meinte damit namentlich die Spielphasen unmittelbar vor und nach der Pause. Da gelang es seinem Team nicht, zweimal eine Drei-Tore-Führung trotz guter Chancen entscheidend auszubauen. Auch die fahrigen Schlussminuten wusste der nunmehr elffache Saisontorschütze nicht zu erklären. «Keine Ahnung! Plötzlich lief der Ball nicht mehr nach Wunsch. Eigentlich haben wir uns das Leben selber schwer gemacht.»

Von «verhungerten» Pässen

Die Verteidigungsarbeit war das ganze Spiel hindurch solide, was die lediglich 18 Gegentreffer bestätigen.Die Frage nach dem «warum» des Leistungsabbaus beschäftigte nicht nur «Siggi». Schliesslich führte das Heimteam 100 Sekunden vor Schluss noch 17:16. Auch Marc Bruder, gegen die HSG Eiken mit sechs Treffern wieder einmal bester Goalgetter seines Teams, wusste auf die Frage nach dem «warum» ebenso wenig eine Antwort. Zufrieden war er trotz persönlicher Torausbeute jedenfalls nicht. «Wir haben verloren, nur das zählt!», stellte der 31-Jährige klar. Um gleich nachdenklich anzufügen: «Wer nach der Pause drei Tore vorlegt, muss einfach mehr daraus machen!» Unerklärlich war dem Routinier vor allem der Auftritt in den Schlussminuten, als dem TVB die Kontrolle des Spiels völlig aus der Hand glitt. «Ich hatte das Gefühl, unsere Pässe würden verhungern», fasste Bruder die Eindrücke auf dem Spielfeld in blumigen Worten zusammen. «Statt Ruhe in die Aktionen zu kriegen, begannen wir zu «pressieren» und setzten uns so unnötig unter Druck», analysierte der Ressortleiter Handball des TVB weiter. Eine Entwicklung mit fatalen Folgen, wie sich weisen sollte.

Ein Nachlassen zeichnete sich allerdings bereits früher ab. Bis zur 39. Minute führten die Gastgeber noch mit 13:10, doch je länger je mehr schlichen sich im Spiel des TVB Unkonzentriertheiten ein. Leichte Ballverluste waren zwar nicht die Regel, boten aber den schnellen und passsicheren Gästen Gelegenheit für «leichte Tore». Auch liess die Wachsamkeit in der TVB-Abwehr in der Schlussphase stark nach. Das nutzten die spielstarken Aargauer zusehends aus. Sie machten den Rückstand nicht nur wett, sondern überholten die Einheimischen quasi auf der Zielgeraden. Der Tabellensiebte war – das sollten die Balsthaler neidlos anerkennen – in den entscheidenden Momenten einfach cleverer und abgebrühter. Aufgrund des Spielverlaufs muss der Sieg von Eiken zwar als glücklich bezeichnet werden, unverdient war er allerdings nicht. Der Gast nutzte die sich bietenden Chancen im Gegensatz zum Heimteam konsequenter aus. Und das ist im Sport entscheidend, auch in der 3. Liga!

Auf dem richtigen Weg

Trotz Niederlage die Fortschritte bestätigt: Der Blick in die Zukunft ist vielversprechend.Mag sein, dass auch der frühe Ausfall von David Bader einen grösseren Einfluss hatte als zunächst angenommen. Der Balsthaler Spielgestalter musste bereits nach 97 Sekunden verletzt vom Platz getragen werden. Zwar griff der zweitbeste TVB-Skorer (48 Tore) vereinzelt nochmals ins Spielgeschehen ein, jedoch sichtlich angeschlagen. Vor allem im Endspurt war das Fehlen des Rückraum-Mitte-Spielers merklich spürbar. Auch wenn Ersatztorhüter Dimitri Costa wohl weniger «den Türken» gemeint haben dürfte, sein Schlussfazit brachte es auf den Punkt: «Wir haben am Ende ohne Kopf gespielt.» Wer kopflos agiert, darf sich nicht wundern, ist man geneigt anzufügen.

Es wäre allerdings ungerecht, die Leistung des jungen Teams allein auf die unglückliche Schlussphase zu reduzieren. Die Mannschaft von Max Geier bestätigte nämlich zuvor die gemachten Fortschritte. Das honorierte am Ende trotz Niederlage auch das Heimpublikum mit einem warmen Abgangsapplaus. Zum Lernprozess gehören letztlich auch schmerzliche Selbsterfahrungen wie Niederlagen. Oder wie es der deutsche Philosoph und Pädagoge Andreas Tenzer in einem seiner Werke (1954) vornehm ausdrückte: «Im Kern jeder Niederlage steckt ein Saatkorn des Erfolgs.» Schliesslich heisst es auch im Volksmund, wenn auch etwas weniger pathetisch: «Niederlagen machen stark.» Beide Floskeln sollte der TVB trotzdem beherzigen. Denn der Auftritt in den ersten 40 Minuten gibt für die Zukunft berechtigten Anlass zu Optimismus.

Die nächste Gelegenheit, die derzeit verloren gegangene Heimstärke wieder aufleben zu lassen, bietet sich den Handballern des TV Balsthal bereits in zwei Wochen. Am Samstag, 4. März, gastiert in der heimischen Haulismatt (Spielbeginn 13.00!) der TV Stein. Allerdings  ziert der Gegner derzeit die Gruppe 7 der 3. Liga als Leader! Gelesen ist die Messe dennoch nicht im Voraus. Der TV Pratteln hat am Wochenende beim 26:24-Sieg vorgemacht, wie der Tabellenführer zu schlagen ist...

Also, trotz Tiefschlag Kopf hoch und ein lautes: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Max Geier (zur Pause zu seinen Spielern): «Wir lassen uns nicht provozieren! Selbst wenn ein Gegner sagt, deine Mutter koche ohne Salz...»
Marc Bruder (nicht ganz sprachlos): «So ein Spiel müssen wir einfach gewinnen.»
Dimitri Costa (stinksauer nach dem Spiel): «Wir waren zu blöd, dem Spiel den Deckel drauf zu legen.»
Luis Volken (beinahe philosophisch mit einem versöhnlichen Ausblick): «Das Leben geht trotz Niederlage weiter!»

 

Telegramm:

3. Liga: „s’Eis“ – HSG Eiken 17:18 (10:8).  Balsthal Haulismatt. – 100 Zuschauer. – SR: Heinrich Freiermuth. – Strafen: 4mal 2 Minuten plus 1mal Rot (Michael Rogg) gegen Balsthal, 2mal 2 Minuten gegen Eiken.

TVB: Jonathan Bader (13 Paraden); Dimitri Costa (53./ein Siebenmeter); David Bader, Simon Bader, Marc Bruder (6/3), Mario Babić, Cirill Vogel (2), Silas Roos (2), Ramon Rubitschung (3), Lukas Scherrer (1), Marc Haefeli (1), Noah Lüthi (2), Michael Rogg, Luis Volken (n.e.). – Offizieller: Maximilian Geier.

HSG Eiken: Sven Oliver Proft (12 Paraden), Thomas Stocker (n.e.); Igor Bosnjak (5/2), Thomas Dietwiler (1), Sascha Jegge (2), Daniel Gilgen (5), Marius Näf (1), Andreas Siegrist (3), Dario Rohrer (1), Mikel Weber, Philippe Bürgin. – Offizieller: Fabian Müller.

Bemerkungen: Vergebene Siebenmeter: 9. Igor Bosnjak (gehalten). 36. Daniel Gilgen (gehalten). 53. Igor Bosnjak (an die Latte, Nachschuss verwertet). 57. Igor Bosnjak (weit über das Tor). TVB ohne Andreas Bucher (verletzt), Simon Hafner, Nicolas Ehrsam, Simon Grolimund, Leandro Favaro (alle überzählig). 

/jpc

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