Turnverein Balsthal

Wo kein Wille, ist auch kein Weg

Torhüter Jonathan Bader war immer wieder auf sich alleine gestellt.Samstag, 18. März 2017: Der TV Balsthal hat nicht nur das Siegen verlernt, sondern auch das Punkten! Und augenscheinlich auch das Kämpfen! Gegen ein in allen Belangen überlegenes und auf jeder Position besser besetztes Handball Zurzibiet, fiel die Niederlage mit 17:29 noch gnädig aus. Was die Gäste boten war schlichtweg kläglich. Um den Auftritt der lust-, hilfs- und ebenso konzeptlos agierenden Gäste zu umschreiben, wären eigentlich auch die Adjektive bescheiden, schlecht, schlimm, schrecklich unselig, desolat, katastrophal oder miserabel möglich gewesen – keines passt allerdings besser als das Eigenschaftswort desaströs!

Diese Erfahrung machen viele Menschen im Verlaufe ihres Lebens: Es gibt Tage, da will einfach nichts gelingen. Alles (oder zumindest vieles) scheint sich gegen die eigene Person oder Sache verschwören zu haben. Das fängt schon früh am Morgen an und steigert sich im Verlauf des Tages stetig. Ohnmacht macht sich in solchen Momenten breit. Und oft gipfelt das Ganze gar in einer persönlichen Katastrophe. Abhaken, vergessen oder einfach ignorieren lauten die gängigsten Abwehrreaktionen. Nicht selten werden aber die eigenen Unzulänglichkeiten kurzerhand auf andere abgeschoben – der Weg des geringsten Widerstandes ist ja der einfachste!

So einen Tag haben die Handballer des TV Balsthal offenkundig in Bad Zurzach eingezogen. Einen Tag zum vergessen, wie sich zeigen sollte. Bereits im Vorfeld der Begegnung musste Trainer Max Geier auf eine ganze Reihe von Stammkräften aus verschiedensten Gründen (siehe Bemerkungen) verzichten. Namentlich im Rückraum war er erneut zum Improvisieren gezwungen, zumal auch Spielmacher David Bader erst kurz vor dem Anpfiff in der Halle eintraf. Auch Torhüter Dimitri Costa wurde zu Beginn wieder einmal als Feldspieler benötigt. Voraussetzungen also, die alles andere als vertrauenseinflössend wirken konnten.

Pfostenschüsse statt Tore

Marc Bruder: Ein Spiel zum schreien.Die Fortsetzung folgte nahtlos auf dem Feld. Zwar war Mario Babic in der Anfangsphase mit zwei Toren (2. und 4. Minute) jeweils zweimal für die Balsthaler Führung besorgt (0:1 und 1:2). Danach übernahmen aber die Gastgeber entschieden das Spieldiktat und gaben dieses nicht mehr aus der Hand. Während Zurzibiet mit gelungenen Spielzügen, Tempo und Toren aufwartete und damit erfolgreich war, leisteten sich die Balsthaler immer wieder leichte Fehler, sowohl bei der Ballannahme wie auch im Abschluss. Stellvertretend für letzteres war Marc Bruder: Seinen ersten Treffer konnte der 31-Jährige erst nach 25. Minuten unterbringen, davor scheiterte er fünf Mal in Folge. Und weil das zum Auftritt der Solothurner an diesem tristen Tag eben passte, kam auch Pech dazu: Drei seiner Abschlüsse krachten an die Torumrandung. Dies allein dem fehlenden Glück zuzuschreiben, wäre jedoch falsch! Zurzibiet verzeichnete nämlich in der ersten Hälfte gleich sechs Stangentreffer, und baute diese Bilanz nach dem Seitenwechsel auf insgesamt zehn aus.

Immerhin raffte sich Marc Bruder im Verlauf der Partie gegen die sich abzeichnende «Klatsche» auf. Er erzielte schliesslich standesgemäss noch fünf Treffer. Gegenwehr war hingegen nicht bei allen seiner Mitstreiter auszumachen. Aufbäumen war kaum ersichtlich. Beängstigend dabei, wie schnell sich viele Balsthaler ihrem Schicksal ergaben. «Da nimmst du einen anderthalbstündigen Anfahrtsweg auf dich, und dann das!», ärgerte sich der Balsthaler Goalgetter zurecht. Auch die Reaktion von Torhüter Joanathan Bader nach 39 Minuten, als er einen der vielen Abspielfehler seiner Vorderleute in der Spielfeldmitte (!) ausbügeln musste, zielte in die gleiche Richtung: «Gopf... Jungs! Wacht endlich auf», schrie er seine Mitspieler an. Dass der Ausspruch nicht druckreif war, versteht sich von selbst.

«Mannschaft» gesucht

Das Spiel der Gäste als lust-, hilfs- und ebenso konzeptlos zu taxieren, war keineswegs übertrieben. Zudem schlichen sich immer wieder technische Fehler im Aufbau ein, die den Spielfluss störten. Namentlich in der Offensive waren die Gäste, vor allem nach der Pause, nahezu inexistent: zu unpräzis und uninspiriert. Zwar wehrten die beiden aargauer Torhüter mehr Bälle ab als ihre Antipoden beim TVB. Die Würfe der Zurzacher waren allerdings ungleich gefährlicher. Lediglich sieben Tore in der zweiten Halbzeit sind einfach zu wenig. Zieht man in Betracht, dass die beiden ersten Treffer nach Wiederanpfiff in den ersten zwei Minuten erzielt wurden, wird die Harmlosigkeit der Balsthaler vor dem gegnerischen Tor erst recht augenscheinlich. Für die restlichen fünf Treffer benötigten sie 28 Minuten!

Letztlich war die schwache Vorstellung auch die Folge eines schwachen Kollektivs. David Bader brachte es in seiner Analyse nach dem Spiel auf den Punkt: «Wir haben heute gegen eine Mannschaft verloren. Wir dagegen waren davon meilenweit entfernt eine solche zu sein.» Erstaunlich, denn die Gastgeber mussten gegenüber dem Hinspiel in Balsthal gleich zehn Akteure ersetzen, vier Spieler gaben am Samstag sogar ihr Saisondebut! Auch Cirill Vogel machte in der mannschaftlichen Geschlossenheit des Gegners den Hauptunterschied aus. «Es war ein Rückfall in alte Zeiten. Als es zu Beginn nicht nach Wunsch lief, machten einige wieder ihr eigenes Ding!» Dem ist eigentlich nichts beizufügen.

Alibis gibt es keine

Viele technische Fehler prägten das Spiel der Balsthaler.Und es war aber auch eine Frage der Einstellung. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, lautet eine heute noch gängige Redensart. Vom Willen, sich der drohenden Abfuhr entgegen zu stellen, oder die Mitspieler zu unterstützen, war allerdings wenig zu sehen. Mehr Selbstkritik wäre einigen Akteuren ohnehin zu wünschen. Die klare Niederlage ausschliesslich auf «äussere Begebenheiten» reduzieren zu wollen, ist in diesem Fall völlig unangebracht. Und vor allem reine Augenwischerei und Alibisuche. Für eine Wiedergutmachung bleiben noch drei Meisterschaftsspiele, davon zwei vor heimischem Publikum.

Übrigens: Eine gute Nachricht gab es am Wochenende trotzdem. Nach der 14:20- Niederlage von Schupfart gegen Wegenstetten ist der einzige Relegationsplatz auch rein mathematisch vergeben, die Abstiegsfrage vorzeitig entschieden Doch wie heisst die mittlerweile schön abgedroschene Sportweissheit: nach der Meisterschaft ist vor der Meisterschaft. Die Basis für eine erfolgreiche Zukunft wird jetzt gelegt. An Arbeit dürfte es den Balsthalern wahrlich nicht fehlen.

Die nächste Gelegenheit, «Zukunftsarbeit» zu verrichten, bietet sich den Handballern des TV Balsthal in zwei Wochen. Am Samstag, 1. April, gastiert in der heimischen Haulismatt (Spielbeginn 18.00) mit Handball Birseck der derzeitige 3.-Liga-Leader der Gruppe 7! Als krasser Aussenseiter eine erste Chance der Wiedergutmachung.

Ein für einmal ein nachdenkliches aber nicht minder lautes: B.U.M. - BUUUUUM! 

Aufgeschnappt

Max Geier (vor dem Spiel): «Im Rückraum habe ich heute keine grosse Auswahl.»
David Bader (selbstkritisch): «Sie haben uns heute so aus der Halle geschmissen, wie wir sie in der Hinrunde aus der Haulismatt geworfen haben»
Jonathan Bader (mit der Analyse eines Torhüters): «Der Gegner hat 10 Tore zu viel erzielt.»
Marc Bruder (nachdenklich): «Man sieht, dass die halbe Mannschaft nicht mehr regelmässig und seriös trainiert.»

Telegramm:

3. Liga: SG Handball Zurzibiet - „s’Eis“ 29:17 (15:10).  Bad Zurzach, Tiergarten. – 40 Zuschauer. – SR: Andreas Senn.  – Strafen: Zurzibiet keine, Balsthal 4mal 2 Minuten.

SG Handball Zurzibiet: Maurus Landolt (1-30./10 Paraden), Sven Kunz (ab 31./11 P.); Dominik Felder (6/1), Lukas Neff (5/4), Nuno Das Silva (3), Mauro Della Francesca (3), Dario Da Rin (1), Nicolas Schifferle (1), David Andreatta (2), Steven Pfyl (1), Matthias Madlinger, Roul Binder. 

TVB: Jonathan Bader (1-54./14 Paraden), Dimitri Costa (1 Siebenmeter, dazu ab 54./1 P./1 Tor); David Bader (1), Marc Bruder (5), Mario Babic (5), Simon Hafner, (2), Silas Roos (2), Cirill Vogel (1), Michael Rogg, Simon Grolimund, Luis Volken. – Offizieller: Maximilian Geier.

Bemerkungen: TVB ohne Lukas Scherrer (Ausland), Marc Haefeli (Ferien), Noah Lüthi (Militär), Ramon Rubitschung (Schule) und Simon Bader (abwesend).

/jpc

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