Turnverein Balsthal

Kanterniederlage der anderen Art

Marc Haefeli zeigte auf der ungewohnten Position im rechten Rückraum seine Skorerqualitäten. (Archivbild)Samstag, 8. April 2017. Im letzten Auswärtsspiel der Saison konnte der TV Balsthal die zwölfte Saisonniederlage nicht verhindern. In Möhlin verlor das TVB-Rumpfteam gegen den STV Wegenstetten 15:36 (6:16). Alles klar also? Mitnichten! Denn was auf den ersten Blick als deutliche Abfuhr daherkommt, entpuppt sich bei näherem Betrachten als Kanterniederlage der anderen Art.

Es klingt widersprüchlich, denn die Zahlen sprechen für sich – eindeutiger geht es kaum mehr: 6:16-Rückstand bei Spielhälfte, ein klares 15:36 nach 60 Minuten. Das sind 21 Tore Differenz zwischen zwei Mannschaften, die sich in der Vorrunde nach einer hartumkämpften Partie noch 21:22 getrennt hatten! Da wäre eigentlich Katerstimmung, gepaart mit bitter-böser Kritik und vernichtender Bewertung angebracht. Zumal an dieser Stelle auch schon weniger klar ausgefallene Niederlagen mit unangenehmen Adjektiven umschrieben, gesteigert und «gewürdigt» wurden.

Zahlen allein geben allerdings nicht immer die Realität wieder, Feinheiten bleiben verborgen. Denn anders sind die mehrheitlich (zurecht) zufriedenen Gesichter bei den Balsthaler Akteuren nach Spielschluss nicht zu deuten. Nach einer so klaren Niederlage, die man ansonsten eher als Debakel hätte empfinden müssen. «Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen», sagte Maximilian «Max» Geier stellvertretend nach Spielschluss – um gleich zu präzisieren: «Nicht das Resultat zählte heute, sondern der allgemeine Eindruck jedes Einzelnen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet war der Auftritt ordentlich.» Auch Cirill Vogel nahm die Niederlage gelassener als üblich zur Kenntnis. «Natürlich ist verlieren nie schön. Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen. Die Umstände waren diesmal besonders.»

Der Klub der sieben Aufrechten

Mario Babic verwarf zwar einen Siebenmeter, traf aber auch viermal. (Archivbild)Unrecht hatten die beiden Balsthaler damit nicht. Allein ein Vergleich der Spielerlisten aus Hin- und Rückspiel offenbarte Erstaunliches: Während Wegenstetten bis auf zwei Akteure (ein Torhüter und ein Feldspieler) nahezu mit der gleichen Besetzung antrat, und somit aus dem Vollen schöpfen konnte, nahmen die Veränderungen beim TVB geradezu beängstigende Formen an: Lediglich Silas Roos, Marc Bruder, Mario Babic und Luis Volken standen auch in der Hinrunde auf dem Matchblatt. Allerdings gelangte Babic in der Haulismatthalle nur sporadisch zum Einsatz, Luis Volken überhaupt nicht! Folglich umfasste die aktuelle Absenzenliste gleich zwölf Spieler (vergleiche Telegramm). Aus dem Spielerkader blieb lediglich ein «Klub der sieben Aufrechten» übrig, der mit drei Juniorenspieler ergänzt werden musste. Und weil der bereits angeschlagen angetretene Marc Bruder nach wenigen Minuten der zweiten Hälfte endgültig Forfait gab, waren es schon bald nur noch sechs.

«Ich habe die Balsthaler Mannschaft gegenüber dem ersten Spiel nicht wiedererkannt», gestand auch Patrick Schreiber, Rückraumspieler bei Wegenstetten. Die Feststellung des 30-Jährigen war vor allem personenbezogen. Das Rumpfteam aus dem Thal befolgte für einmal die Hauptanweisungen ihres Trainers beim Wort. Obwohl verständlicherweise in allen Belangen unterlegen, spielten die Gäste mit grossem Einsatz und viel Kampfwillen. Sie liessen sich auch durch den immer grösser werdenden Rückstand nicht beirren. Allein für diese Einstellung verdienen sie ein aufrichtiges Kompliment. Solange die Kräfte ausreichten, kombinierten die Thaler gar gefällig, wenn auch nicht immer erfolgreich. Zwar konnte allein damit die Kanterniederlage nicht abgewendet werden, die Art und Weise der Gegenwehr war aber erfreulich. In der laufenden Spielzeit gab es diesbezüglich schon andere Auftritte...

Gastgeber in Spiellaune

Dimitri Costa war im Balsthaler Tor des Öfteren auf sich allein gestellt. (Archivbild)Der Spielverlauf ist schnell wiedergegeben. Die Gastgeber bestimmten von Beginn weg das Spielgeschehen, agierten sehr druckvoll, variantenreich und mit grossem Tempo. Auch im Abschluss glänzten sie teils mit herrlichen Kombinationen. Nach sechs Minuten führte Wegenstetten bereits 4:0, nach 15 Minuten stand es 9:3 und die Einheimischen bauten den Vorsprung bis zur Pause auf zehn Tore aus. Auch nach dem Seitenwechsel waren die Aargauer in der Startphase mit vier Treffern in ebenso vielen Minuten erfolgreich (20:6) und legten bis Mitte Halbzeit einen eindrücklichen Zwischenspurt hin (46./30:8). Danach liessen sie es bis zum Schluss etwas ruhiger angehen, ohne von ihrem körperbetonten Spiel abzuweichen. Bezeichnend für die Ausgeglichenheit der Einheimischen: gleich neun Spieler schrieben sich in die Torschützenliste ein, allein acht Treffer gingen auf das Konto von Topskorer Patrick Neuenschwander (neu 111 Treffer)!

Der TVB dagegen mühte sich nach Kräften, konnte jedoch gegen die auch defensiv sehr stabilen Gastgeber sich nur selten durchsetzen. Immerhin skorten Mario Babic und der im Rückraum eingesetzte Marc Haefeli je vier Mal, während der nach der Pause ebenfalls vom Flügel in den Rückraum beorderte Cirill Vogel noch drei Treffer erzielte. Schwachpunkt im Balsthaler Spiel war die Defensive – bei den vielen Absenzen kaum erstaunlich. Und so liess die Balsthaler Abwehr ihren Torhüter Dimitri Costa des Öfteren im Stich. «Er hatte keinen beneidenswerten Job», bekundete Trainer Max Geier Bedauern mit seinem Goalie. Allerdings zeigten die Einheimischen in der Offensive auch eine bärenstarke Leistung. «Das war eine unserer besten Saisonleistungen», bestätigte Patrick Schreiber abschliessend. Das gleiche dürfen die Gäste – trotz klarem Schlussresultat – auch von ihrer Einstellung behaupten.

Das letzte Spiel der Saison bestreitet der TV Balsthal am Samstag, 29. April in Balsthal . Der Gegner in der Haulismatt (Spielbeginn 18.00) ist der TV Pratteln NS III. Im Anschluss an die Partie offeriert das Ressort Handball des TV Balsthal allen Spielern, Fans und Sponsoren ein grosszügiges Apéro im Foyer der Haulismatthalle.

«Lasst uns die Saison  versöhnlich abschliessen! B.U.M. - BUUUUUM!»

Aufgeschnappt

Max Geier (bei der Matchbesprechung): «Heute zählt der Auftritt, nicht das Resultat.»
Patrick Schreiber (Oldie bei Wegenstetten zum TVB): «Das war eine andere Mannschaft.»
Patrick Schreiber (nochmals, diesmal zur Leistung des eigenen Teams): «Bei uns ging es heuer Auf und Ab. Heute waren wir wieder einmal oben.»
Marc Bruder (trat angeschlagen an): «Wären wir heute 14 Mann gewesen, hätte ich sicher nicht gespielt.»
Marc Bruder (erstaunt in der Garderobe nach dem Spiel): «Jetzt beginnt die Schmerztablette zu wirken. Dabei habe ich sie in der Pause eingenommen...»
Cirill Vogel (brachte es auf den Punkt): «Wir haben uns nach Kräften gewehrt. Das war schon Mal anders.»

 

Telegramm: 

3. Liga: STV Wegenstetten - „s’Eis“ 36:15 (16:6).
 Möhlin, Steinli B – 25 Zuschauer. – SR: Martin Kamber. – Strafen: Wegenstetten 2mal 2 Minuten; Balsthal 4mal 2 Minuten.

STV Wegenstetten: Robin Christen (1.-30./10 Paraden), Ivan Daniel (30.-60./7 P.); Kevin Bienz (2/1), Patrick Neuenschwander (8/2), Patrick Schreiber (4), Andreas Schmid (3), Philipp Schmid (5), Eric Neuenschwander, Markus Mösch (3), Yanick Müller (3), Samuel Ludwig (4), Pascal Zimmermann (4), Simon Jauslin, Florian Lanz. – Offizieller: Tobias Neuenschwander.

TVB: Dimitri Costa (17 Paraden); Marc Bruder (2), Silas Roos (1), Cirill Vogel (3), Mario Babic (4), Marc Haefeli (4), Luis Volken (1), Nicolas Volken, Simon Tang, Remo Roos. – Offizieller: Maximilian Geier.

Bemerkungen: 28. Mario Babic setzt Siebenmeter an den Pfosten. TVB ohne Noah Lüthi (Rekrutenschule), Lukas Scherrer (Ausland), Jonathan Bader (Arbeit), Michael Rogg, David Bader, Andreas Bucher und Simon Grolimund (alle verletzt), Simon Bader (Ferien), Simon Hafner, Ramon Rubitschung, und Leandro Favaro (alle abwesend).

/jpc

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