Turnverein Balsthal

«Icemann» Babić zeigte keine Nerven

Mario Babić war mit neun Treffern der beste Balsthaler Torschütze.
Samstag, 16. September 2017. Nach dem Sieg im Cup unter der Woche bei der SG Baden (25:19) ist dem TV Balsthal nun auch der Meisterschaftsauftakt gelungen. Gegen die zweite Mannschaft des TV Zofingen setzte sich der TVB in der Haulismatthalle letztlich verdient 33:30 (18:15) durch. Matchwinner war dabei «Icemann» Mario Babić, der in den letzten fünf Spielminuten von der Siebenmeterlinie kein Nervenflattern zeigte und gleich drei Strafwürfe souverän verwertete.

Eigentlich trägt Mario Babić teamintern den Spitznamen «Balić». Dies in Anlehnung an den überragenden früheren Kroatischen Spielmacher Ivano Balić, der lange als der virtuoseste Spielgestalter in der Handballszene galt. Seit dem Startspiel gegen den TV Zofingen dürften ob der Namenswahl jedoch Zweifel angebracht sein – ernsthafte! Denn dem 20-jährigen Babić würde in Zukunft der Kosename «Icemann» eher anstehen. Zumindest, wenn man seinen Auftritt in der Schlussphase der Auftaktpartie als Gradmesser nimmt. Gleich dreimal trat nämlich der Mitte-Spieler in der auf Messers Schneide stehenden Begegnung von der Siebenmeterlinie an – und netzte jeweils mit der Selbstverständlichkeit eines Roboters eiskalt ein. Diese Kaltblütigkeit war entscheidend und machte die Differenz zweier geleichwertiger Teams aus. Dabei galt «Balić» bisher bei Strafwürfen beileibe nicht als «Icemann». In der vergangenen Saison verwertete er zwar drei Siebenmeterwürfe, leistete sich aber gleichzeitig auch vier Fehlwürfe, was seine Ausbeute deutlich relativierte.

Doch diesmal war alles anders. Zweimal (55. und 59.) baute er in der hektischen Schlussphase die Führung per Siebenmeter auf zwei Tore aus. Und es war auch Babić, der 32 Sekunden vor Schluss mit dem dritten Penaltytreffer zum 33:30 für den Schlusspunkt in der mehrheitlich ausgeglichenen Partie besorgt war. Nach dem Geheimnis seiner (neu gefundenen) Abgeklärtheit von der Siebenmeterlinie gefragt, gab sich der sichtlich erleichterte Absolvent der Berufsmittelschule aber bescheiden: «Einer unserer Lehrer hat uns gesagt, wir sollten im Studium alles immer positiv angehen. Und mit positivem Denken bin ich jeweils auch an der Siebenmeterlinie angetreten» – so einfach sind die einfachen Dinge des Lebens! Oder? Für den gegnerischen Torhüter Patrick Buchmüller, der ebenfalls eine sehr gute Leistung bot, hätte Babićs Lieblingsspruch besser gepasst: «Tritt nicht gegen mich an, spiele lieber Lotto, da hast du die besseren Erfolgschancen» (vergleiche Einzelportraits auf www.tvbalsthal.ch/mannschaften/1-mannschaft).

Manndeckung als Erfolgsrezept

Waren für zehn Tore verantwortlich: Cirill Vogel (2) und Marc Bruder (8).So einfach und problemlos lief allerding die erste Meisterschaftspartie der neuen 3.-Ligasaison für die Gastgeber nicht. «Endlich September, endlich wieder Meisterschaftsbetrieb», hatte Marc Bruder, Ressortleiter Handball des TVB im Saisonvorschauheft «Siebenmeter» seiner Freude über den Saisonstart wiedergegeben. Berechtigte Freude herrschte bei den Einheimischen zwar nach Spielschluss, dazwischen entpuppte sich die Begegnung aber als harte Arbeit. Obwohl lediglich mit acht (!) Spielern angetreten, offenbarten sich die Zofinger als richtig guter Gegenpart. Den Nachteil der äusserst «kurzen Bank» machte sich für die Zofinger nur selten bemerkbar. Auch weil es die Einheimischen nicht verstanden, diesen vermeintlichen Vorteil resolut auszunutzen, in dem sie das Spieltempo hochgehalten hätten. Der Spielverlauf stützt diese These, denn bis zur 21. Minute blieb die Partie ausgeglichen (11:11), erst der anschliessende Zwischenspurt mit drei Toren innert 150 Sekunden ermöglichte dem TVB erstmals eine Dreitoreführung (24./14:11). Doch nach 38 Minuten war der schöne Vorsprung auch wieder futsch (20:20). Das sollte aber der letzte Gleichstand der Partie gewesen sein.

Die Balsthaler bekundeten während der gesamten Partie mit dem omnipräsenten und im Zweikampf sehr starken Valentin Freiermuth (7 Tore) und dem ebenso agilen und seine körperlichen Vorteile immer wieder gekonnt einsetzenden Leandro Di Salvatore (6) grosse Mühe. Dazu bewies in der ersten Spielhälfte Zofingens Spielertrainer Robert Nieberg trotz der körperlichen Fülle seine Gefährlichkeit und stellte für das TVB-Abwehrdispositiv immer wieder ein echtes Problem dar. Vier seiner insgesamt fünf Treffer erzielte Zofingens Nummer 25 in Hälfte eins, erst als TVB-Trainer Max Geier gegen ihn ab der 20 Minute sporadisch und nach der Pause konsequent eine Manndeckung verordnete, blieb Nieberg für das Spiel seines Teams nahezu wirkungslos. Letztlich war dies der erste Schlüssel für den Balsthaler Erfolg.

Die Steigerung des «Verrückten»

Dimitri «der Verrückte» Costa parierte 44 Prozent der Würfe auf sein Gehäuse.Ein zweiter und ebenso wichtiger Baustein des Starterfolgs war Torhüter Dimitri Costa. Nach einem eher verhaltenen Beginn steigerte sich «der Verrückte», wie dessen Nickname im Team heisst, stetig und war am Schluss überragend. «Dimi die Wand», wie auch auf etlichen Einlaufleibchen der Nummer 20 prangert, war bereits in der Schlussphase der ersten Halbzeit mit einigen Paraden entscheidend dafür verantwortlich, dass sich das Heimteam bis zur Pause 18:15 absetzen konnte. Vor allem war es aber «der Verrückte», der den TVB zu Beginn der zweiten Spielhälfte mit einigen entscheidenden Interventionen im Spiel hielt. Die Statistik spricht für den 21-Jährigen: 24 Paraden insgesamt, davon allein 14 nach der Pause. «Läck! So viel! Ich selber hatte den Eindruck nicht so eine hohe Quote erreicht zu haben», gab sich der Goalie überrascht. Einzig seiner Reputation als Penaltykiller konnte Costa gegen den von der Straflinie gewieften Freiermuth für einmal nicht gerecht werden. Immerhin setze der Zofinger seinen ersten Strafwurf an den Pfosten (7.).

Letztlich darf der Sieg der Balsthaler aber als verdient taxiert werden. Sie behielten in den entscheidenden Momenten kühlen Kopf und traten vor allem als echte Einheit auf. Auch individuell hielt der TVB mit dem Gegner mit: Goalgetter Marc Bruder knüpfte trotz einiger Durchhänger an die letztjährigen Leistungen an. Er erzielte acht Treffer und war namentlich Mitte der zweiten Hälfte mit zwei Toren innert 40 Sekunden dafür verantwortlich, dass die Einheimischen aus ihrer Lethargie aufwachten (45./vom 23:22 zum 25:22). Mario Babić bestätigte auf der Mitte-Position seine Fortschritte und zeigte auf, dass er durchaus Verantwortung übernehmen kann. Nicht nur dank den neun Toren der Nummer 8 machte sich die Absenz von Spielgestalter David Bader kaum bemerkbar. Und auch Marc Häfeli zeigte auf, dass er seine Treffer durchaus in wichtigen Spielphasen zu erzielen und so seine Mitspieler mitzuziehen vermag. Aber die wichtigste Erkenntnis war eine andere: Gleich neun TVB-Spieler trugen sich in die Torschützenliste ein – das lässt für die Zukunft hoffen.

Noch viel Luft nach oben

Der vierfache Troschütze Marc Haefeli hatte allen Grund zu lachen.Luft nach oben ist im Spiel der Balsthaler allerdings noch sehr viel vorhanden. Darüber müssen sich die einheimischen Akteure auch bewusst sein. Ein Acht-Mann-Gegner sollte eigentlich – bei aller spielerischer Qualität die bei Zofingen trotzdem vorhanden war – nicht so lange mithalten können. Zudem gilt es namentlich in der Defensive einige Schwachpunkte schleunigst auszumerzen. Oft fehlte das richtige Timing bei den Zugriffen. Mit einer grösseren Teamsolidarität sollten gegen einen – zugegeben – für 3.-Liga-Verhältnisse überdurchschnittlich dotierten Kreisläufer wie Leonardo Di Salvatore weniger Probleme entstehen. Doch zuviel Nörgeln ist hier, und erst noch nach einem so wichtigen Sieg, nicht angebracht. Die beiden ersten Punkte im Kampf gegen den Abstieg, wie Trainer Max Geier die Saisonzielsetzung unmissverständlich selber deklariert hat, sind im Trockenen. Und das zählt! Das Schlusswort überlassen wir deshalb stellvertretend dem Matchwinner Mario «Icemann» Babić: «Wenn wir weiter als Mannschaft so geschlossen auftreten, haben wir gegen jeden Gegner eine Chance.»

Die nächste Gelegenheit, sich in der Gruppe 10 wieder bestätigen zu können, bietet sich den Handballern des TV Balsthal allerdings erst in fünf Wochen – das ist wahrlich nur im Handball möglich! Am Sonntag, 22. Oktober, geht es erstmals in Richtung Westen. In Neuchâtel gastiert der TVB ebenfalls als Premiere in der Maladière (Spielbeginn 15.00). Die Neuenburger sind ohnehin ein gänzlich unbekannter Gegner. Die Romands haben mit einem 29:29 auswärts bei Herzogenbuchsee II beim 3.-Ligastart allerdings aufhorchen lassen.

Ein für einmal ein euphorisches: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Max Geier (vor dem Spiel in der Kabine): «Lasst uns rausgehen und die Zofinger fressen.»
Max Geier (nach dem Spiel): «Ich bin zufrieden. Mit einem Sieg durften wir ja nicht unbedingt rechnen»
Fabian «Ché» Müller (in die gleiche Kerbe): «Ein besserer Start mit einem Sieg gibt es nicht.»
Dimitri Costa (beim Apéro): «Heute waren nur die beiden Punkte wichtig.»
Marc Bruder: «Das war Schwerstarbeit.»

Telegramm:

3. Liga: „s’Eis“ – TV Zofingen II 33:30 (18:15).
 Balsthal, Haulismatt. – 80 Zuschauer. – SR: Andrea Zamuner.  – Strafen: je 2mal 2 Minuten.

TVB: Dimitri Costa (24 Paraden), Kay Stalder (1 Siebenmeter); Mario Babić (9/3), Marc Bruder (8/1), Marc Haefeli (4), Simon Bader (2), Silas Roos (2), Cirill Vogel (2), Michael Rogg (2), Ramon Rubitschung (2), Luis Volken (1), Lukas Scherrer; Simon Grolimund (nicht eingesetzt), Aleksandar Petrovic (n. e.). – Offizieller: Maximilian Geier.

TV Zofingen II: Patrick Buchmüller (12 Paraden); Leandro Di Salvatore (6), Luigi Di Salvatore (5/3), Valentin Freiermuth (7), Robert Nieberg (5), Raphael Steiner (4), Timon Suter (3), Gilles Gloor. – Offizieller: Robert Nieberg.

Bemerkungen: 7. Feiermuth setzt Strafwurf an den Pfosten. TVB ohne David Bader (abwesend), Jonathan Bader (Arbeit), Andreas Bucher (verletzt), Leandro Favaro (Ausland).

/jpc

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