Turnverein Balsthal

Die Einladung dankend abgelehnt

21 Paraden von Dimitri Costa genügten nicht, um gegen den HV Olten seit langem wieder einmal zu punkten. (Archivbild)Samstag, 28. Oktober 2017. Im dritten Meisterschaftsspiel musste der TVB die zweite Saisonniederlage hinnehmen. Das 24:26 (13:11) gegen den HV Olten war gleichzeitig die erste Niederlage in der heimischen Haulismatthalle. Der Sieger hätte im einzigen Gruppen-Kantonsderby der neuen Spielzeit aber auch anders lauten können.

Auch in der heutigen Moderne haben sogenannte Volksweisheiten noch lange nicht ausgedient. Das gilt vor allem auch im Sport, wo bekannte Redewendungen in den öffentlichen Diskussionen und Analysen mittlerweile als gleichberechtigte Erklärungsversuche herhalten müssen. Was im Alltag gang und gäbe ist, darf auch für den TV Balsthal angewandt werden. Denn bei der Rückschau auf das erste Kantonalderby der Balsthaler nach mehr als einem Jahr drängen sich drei – zugegeben abgedroschene – Sportweisheiten geradezu auf.

Sündigte ebenfalls im Abschluss: Ramon Rubitschung vergab zehn Minuten vor Schluss eine der TVB-Grosschancen. (Archivbild)Da wäre als erstes die Redensart, die vor allem Schweizer Teamsportler für sich in Anspruch nehmen und beinahe gebetsmühlenartig zitieren: «Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft.» Namentlich in der ersten Hälfte gegen den HVO machte das Zitieren der Floskel durchaus Sinn. Allein in der Anfangsphase leisteten sich die Gastgeber nämlich im Abschluss zu viele (ärgerliche) Fehlversuche. Zwar führten sie nach 13 Minuten mit 4:3, verzeichneten aber gleichzeitig auch sieben Fehlwürfe. Und als sie nach 22 Minuten den Vorsprung erstmals auf vier Treffer ausgebaut hatten (9:5), ermöglichten sie dem Gegner dank einigen Unkonzentriertheiten im Abschlussbereich wieder heranzukommen. Die 13:11-Pausenführung war letztlich für sie ein zu schlechter Lohn. Auch Mitte der zweiten Hälfte liessen die Einheimischen – wie es im Jargon so schön heisst – wieder einige Torgelegenheiten geradezu leichtfertig «liegen» – das sollte sich in der Folge rächen. Erwähnt sei hier etwa ein schneller Gegenstoss gleich zu dritt ohne Gegenspieler in Richtung HVO-Tor, der jedoch mit einer Passungenauigkeit endete (41./18:16). Oder als Ramon Rubitschung nach einem frechen Ballgewinn allein auf den gegnerischen Torhüter zustürmend sich von einem Oltner irritieren liess, die Übersicht verlor und den Abschluss aus zu grosser Entfernung versuchte (49./20:19). Oder auch jene Szene, als der ansonsten so zuverlässige Topskorer Marc Bruders unbedrängt aus günstigster Position nur ins Ballfangnetz warf (53./21:23). Es wäre der erneute Anschlusstreffer gewesen, stattdessen baute der HVO die Führung wenig später auf drei Tore aus. Dass der TVB im Laufe der Partie neben den vergebenen Chancen auch zusätzlich dreimal nur die Torumrandung traf, trug dazu bei, dass es am Schluss aus einheimischer Sicht einen «falschen Sieger» gab.

Torhüter Costa ein echter Rückhalt

Die zweite Sportplattitüde, die sich auf das Derbygeschehen übertragen liesse, wird gerne von Taktikern und von berühmten Kriegsherren in leicht abgeänderter Form als Erfolgsgarant herangezogen: «Im Angriff gewinnt man Spiele/Schlachten, Meisterschaften/Kriege aber dank der Verteidigung.» Tauscht man Spiele mit Zwischenstände aus, wird das Problem des TVB deutlich. Denn bis zur 43 Minute hielt die Balsthaler Defensive dem Tordrang des Tabellenführers stand. Das Abwehrdispositiv klappte zu Beginn dank entsprechender Disziplin recht ordentlich, auch weil TVB-Goalie Dimitri Costa seinen derzeitigen guten Formstand erneut eindrücklich bestätigte. Nach 20 Minuten wies er sogar eine Abwehrquote von 50 Prozent auf (8:5), aber auch danach stoppte er immer wieder die Oltner Abschlussversuche im Alleingang. 21 Paraden (48 Prozent!) unterstreichen am Schluss seine gute Abwehrarbeit. Allerdings war der 21-Jährige im zweiten Matchteil des Öfteren auf sich alleine gestellt, weil beim TVB der Zugriff auf die gegnerischen Akteure, namentlich auf den Flügelpositionen, nicht mehr reibungslos klappte. Dies im Gegensatz zum HV Olten, der sein Aufkommen hauptsächlich der aggressiveren Verteidigungsarbeit zu verdanken hatte.

Die Defensivarbeit klappte beim TVB zumindest 40 Minuten lang recht gut. (Archivbild)Und schliesslich die dritte und für den TVB wohl entscheidende Volksweisheit, die das Erfolgspendel im Derby eben nicht auf die Balsthaler Seite ausschlagen liess: «Einladung soll man dankend annehmen», lautet diese. In der ersten Saisonpartie gegen Zofingen hatten die Einheimischen die kurze Bank der Aargauer als Einladung angenommen und damit zum wichtigen Startsieg ausgenützt. Doch bereits in Neuenburg nahmen die Balsthaler die nächste Offerte gegen einen erheblich schwächeren Gegner schon nicht mehr dankend an, stattdessen erwies man sich eher als dankbarer Gast und überliess den Romands grosszügig die beiden Zähler. Und auch im Derby gegen den HV Olten vermochte der TVB die sich bietende Gelegenheit trotz günstiger Voraussetzungen nicht auszunutzen. Denn noch selten war in den letzten Jahren die Chance so gross, das Derby gegen den Kantonsrivalen für sich zu entscheiden. Obwohl als Tabellenführer angetreten, wurden der HVO – zumindest 45 Minuten lang – seiner Ranglistenstellung selten gerecht, ja er konnte froh sein, dass der TVB die vom Gast offenbarten Schwächen nicht resoluter ausnutzte. Oder mit anderen Worten: Die Einladung zum Sieg wurde erneut dankend abgelehnt!

35 Jahre und kein bisschen müde

David Bader traf gegen den HV Olten zwar fünf Mal, verzeichnete aber auch sechs Fehlwürfe. (Archivbild)Eines sei hier aber auch klar festgehalten: Unverdient oder gar gestohlen war der letztlich hartumkämpfte Sieg der Gäste nicht. Sie behielten auch während einer schwächeren Phase vor der Pause kühlen Kopf, liessen sich danach auch von einer Vier-Tore-Führung der Einheimischen nicht aus dem Konzept bringen und reduzierten den Rückstand bis zur Pause auf (schmeichelhafte) zwei Treffer. Auch als David Bader gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit mit zwei schönen Durchbrüchen die Führung des Heimteams wieder auf 16:12 (33.) schraubte, blieben die Gäste abgeklärt und ruhig – nicht zuletzt weil sie sich auf ihre abschlussstarken Rückraumspieler verlassen konnten. So baute  Team-Topskorer Thomas Burri seine Ausbeute auch dank seiner Kaltschnäuzigkeit von der Siebenmeterlinie (vier Treffer) um sieben Tore auf 26 Saisoneinschüsse aus. Zudem zeigte Routinier Dominik Borner mit seiner Erfahrung aus der NLB auf, dass er trotz seiner 35 Jahren im Abschluss noch immer zu den gefährlicheren Rückraumspielern der Gruppe zählen wird. Nicht nur wegen seiner acht Treffer war er für Olten der entscheidende Faktor. Und weil sich auch Torhüter Lucian Kagerer im Laufe der zweiten Halbzeit steigerte, das Team zusätzlich in den letzten 20 Minuten entschlossener und aggressiver auftrat, konnte der HV Olten eine durchaus mögliche, unerwartete Überraschung nochmals abwenden.

Und der TVB? Die Köpfe hängen lassen müssen die Einheimischen trotz der vergebenen grossen Chance nicht. Immerhin brachten sie einen der Gruppenfavoriten ins Wanken. Auch traten die Balsthaler im Abwehrbereich solidarischer auf als noch vor Wochenfrist. Zu denken geben sollte den Verantwortlichen allerdings neben den bereits erwähnten «Gschenken» im Abschlussbereich auch die auffällig hohe Anzahl an technischen Fehlern. Auch einige Würfe aus «unmöglichen» Winkeln, die unnötige Ballverluste nach sich zogen, sind dringendst abzustellen. Doch genug der kritischen Bemerkungen, das Schlusswort stammt daher von David Bader. «Wir sollten nicht nur das Negative aus dem Spiel mitnehmen, sondern vor allem das Positive. Und davon gab es einiges.» Wo er recht hat, hat er recht.

Die nächste Gelegenheit, es besser zu machen, bietet sich den Handballern des TV Balsthal bereits am kommenden Wochenende. Am Sonntag, 5. November, gastiert der TVB in Rothrist gegen die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist (Breite, 14.00). Allerdings zieren die Aargauer zusammen mit dem HV Olten ungeschlagen die Tabellenspitze. Die Balsthaler haben aber gegen den HVO aufgezeigt, dass sie gegen jeden Gegner eine Siegeschance haben.

Zwar kein euphorisches, aber doch hoffnungsvolles: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Brian Friker (der Schiedsrichter vor dem Spiel etwas erstaunt): «Ah! Wirklich? Ist das heute ein Derby?»
Max Geier (nach dem Spiel, ist nicht als Freund der Unparteiischen bekannt): «Der Schiedsrichter war diesmal top.»
Oliver Grolimund (der verletzte Routinier zur Mannschaft): «Ihr seid selber schuld, ihr habt das Spiel aus der Hand gegeben.»
Marc Bruder (etwas nachdenklich) «Wir kamen in der Schlussphase wieder einmal ins Bibern.»
David Bader (zum Schluss doch versöhnlich): «Trotz allem hat es mir heute Spass gemacht – auch das zählt.»

Telegramm:

3.Liga: „s’Eis“ - HV Olten 24:26 (13:11).
 Balsthal, Haulismatt. – 60 Zuschauer. – SR: Brian Friker.  – Strafen: Balsthal 3mal 2 Minuten, Olten 3mal 2 Minuten plus 1mal Rot-Blau (59:35. Tobias Widmer).

TVB: Dimitri Costa (21 Paraden); Mario Babić (1/1), Marc Bruder (5), Marc Haefeli (4), David Bader (5), Silas Roos (1), Cirill Vogel (3), Michael Rogg (1), Ramon Rubitschung (2), Luis Volken (1), Lukas Scherrer, Aleksandar Petrovic (1/1), Kay Stalder (nicht eingesetzt). – Offizieller: Maximilian Geier.

HV Olten: Mike Nützi (1-20. plus 1 Siebenmeter/ 2 Paraden), Lucian Kagerer (ab 21./7 P.); Thomas Burri (7/4), Dominik Borner (8), Florian Rüegg (4), Tobias Widmer (1), Reto Grolimund (1), Timo Probst (3), Patrick Ernst Gabler (1), Urs Hänggi, Simon Bloch, Nico Hauser. – Offizieller: Bruno Borner.

Bemerkungen: 18. Costa hält Siebenmeter von Hauser. TVB ohne Simon Bader (abwesend), Simon Grolimund (nicht aufgeboten), Jonathan Bader (Arbeit), Andreas Bucher (verletzt), Leandro Favaro (überzählig); HVO ohne Noah Hänggi, David Brügger, Martin Osterwalder.

/jpc

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