Turnverein Balsthal

Dem TVB wurden die Grenzen aufgezeigt

Kay Stalder (hier beim Siebenmeter gegen Daniel Erni) war in diesem Spiel der einzige Lichtblick für den TV Balsthal.Sonntag, 5. November 2017. Dritte Meisterschaftsniederlage in Serie für den TV Balsthal – und diesmal ohne Wenn und Aber. Die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist wurde ihrer Reputation als Tabellenführer von Beginn weg gerecht, lag bereits zur Pause mit 14:7 beruhigend in Führung und gewann letztlich souverän 32:20. Einziger Lichtblick bei den Gästen war der «Einstand» von Kay Stalder. Mit seinen Interventionen brachte der Torhüter nach seiner Einwechslung die Gastgeber (kurzzeitig) an den Rand der Verzweiflung.

Nein, es war entschieden nicht der Tag des Dimitri Costa – zumindest im ersten Teil seines Auftritts in Rothrist. Vor Wochenfrist «vernagelte» der TVB-Goalie im Kantonsderby gegen den HV Olten seinen Kasten regelrecht. Am Schluss konnte er sich eine beachtliche Abwehrquote von 48 Prozent gutschreiben lassen und wäre beinahe der grosse Matchwinner geworden. Nur eine Woche später wurde er mit der anderen Seite des Torhüterschicksals konfrontiert: Gegen die SG Aarburg/Oftringen/Rothrist gelang ihm die erste Intervention erst nach sechs Minuten und 36 Sekunden – es sollte in der ersten Hälfte seine einzige bleiben. Denn nach 10 Minuten und 19 Sekunden sowie acht Gegentreffern räumte «der Verrückte» nach dem frühen Time-Out des TVB seinen Platz freiwillig und trat ihn an Kay Stalder ab. Und dem 16-Jährigen gelang ein Einstand nach Mass: Gleich bei der ersten Aktion wehrte er drei Abschlussversuche der Gastgeber in Folge ab und liess sich erst nach beinahe sieben Minuten und sieben (!) gelungenen Abwehraktionen erstmals bezwingen (17./5:9). Damit stoppte er in dieser Spielphase die Angriffswellen der Einheimischen praktisch im Alleingang und nötigte diesen auch den nötigen Respekt ab. Überbewerten wollte der junge Schlussmann seine persönliche Leistung allerdings nicht. «In der ersten Halbzeit durfte ich zufrieden sein, nach der Pause jedoch weniger», stellte er klar und es war sogar ein bisschen Ärger aus seiner Reaktion zu entnehmen. Darauf lässt sich aufbauen!

Im Angriff ein Lüftchen

Marc Haefeli erzielte zwar fünf Treffer, in dieser Szene gab es für ihn aber kein Durchkommen.Damit ist aber gleichzeitig auch aufgezeigt, dass der TVB eigentlich nie ins Spiel fand. Denn von Beginn weg waren die Stärkeverhältnisse klar verteilt. Zwar glich Marc Haefeli die frühe Führung der Aargauer postwendend wieder aus (2./1:1) und nur 35 Sekunden später schoss Marc Bruder die Balsthaler sogar erstmals 2:1 in Führung. Es sollte aber die einzige Gästeführung im gesamten Spiel bleiben. Denn in der Folge blieben die Solothurner namentlich im Angriff einiges schuldig. Einerseits waren es – wie zuletzt – immer wieder ärgerliche Ballverluste, die den Spielfluss störten und den Gegner in Ballbesitz brachten und so schnelle Gegenstösse ermöglichten. Diese liessen sich nicht bitten und bauten die Führung kontinuierlich aus. Andererseits wirkten die Gäste beim Spielaufbau behäbig, unbeholfen und somit waren deren Spielzüge auch leicht zu durchschauen. Der Ball zirkulierte nur sehr selten schnell durch die TVB-Reihen, meist wurde der Abschluss monoton (und engstirnig) in Eins-gegen-eins-Durchbrüchen gesucht, auf die sich die SG AOR schnell eingestellt hatte. Und was trotzdem den Weg aufs Tor fand, wurde meist eine leichte Beute von AOR-Torhüter Andreas Graber, der sein Tagwerk nach 52 Minuten nach 16 abgewehrten Bällen (darunter zwei Siebenmeter) und mit einer beachtlichen Abwehrquote von 50 Prozent beendete.

Allerdings wurde dem Schlussmann der Gastgeber die Abwehrarbeit auch mehrheitlich leichtgemacht, zumal der TVB erneut viele Fehlversuche verzeichnete. Beispiele liessen sich bei allen TVB-Akteuren aufführen: Marc Haefeli wies zwar mit fünf Treffern die beste Ausbeute aus, verzeichnete aber auch sieben Fehlversuche. Das gleiche lässt sich vom glücklosen Mario Babic sagen: drei Tore gegenüber sechs Fehlschüssen. Oder von David Bader: vier Treffer, aber ebenso viele gescheiterte Versuche. Eine ebenso dürftige Wurfbilanz wies auch der ansonsten in Sachen Treffsicherheit so zuverlässige Marc Bruder auf: Nach sechs Minuten wurden ihm zwei Treffer gutgeschrieben, danach folgten nur noch lauter Fehlschüsse, vier bis zur Pause. Im zweiten Spielabschnitt versuchte es der Balsthaler Goalgetter nur noch einmal – von der Flügelposition aus… Es war wahrlich nicht der Tag der Angreifer.

Absenzen? Kein Problem!

Hängende Köpfe nach der Niederlage gegen den Tabellenführer SG Aarburg/Oftringen/RothristDa wussten die Einheimischen schon anders aufzutrumpfen, obwohl sie unter anderem gleich auf ein Stammquartett wegen eines Auslandausfluges verzichten mussten. Überzeugend traten sie trotzdem auf. Allen voran Daniel Erni, in der Topskorerliste der Gruppe 10 bisher der einsame Leader. Der Flügelflitzer baute seine Führungsstellung um weitere acht Treffer auf 43 Saisontore aus. Ihm machte es der schnelle und zielstrebige Silas Hilpert mit ebenso vielen Einschüssen nach. Erwähnenswert aber auch die drei Treffer von Michael Portmann – mit 46 Jahren der mit Abstand älteste Spieler auf der Platte. Allerdings machten nicht die Einzelspieler die Stärken des neuen und nunmehr alleinigen Tabellenführers der Gruppe 10 aus, sondern das homogene und durchdachte Auftreten des gesamten Kollektivs.

Immerhin: für einmal mussten sich der TVB nicht vorwerfen lassen, eine günstige Gelegenheit nicht genutzt zu haben. Zu krass waren sie an diesem Tag dem Leader unterlegen, zu schwach fiel aber auch die Gegenwehr aus. Aber mit Kay Stalder hatten die Gäste einen Lichtblick vorzuweisen, der für die Zukunft hoffen lässt.

Die nächste Gelegenheit, auch wieder im Angriff zu glänzen, bietet sich den Handballern des TV Balsthal bereits am Wochenende. Am Samstag, 11. November, ist die SG Langenthal-Huttwil zu Gast in der Haulismatt (Spielbeginn 18.30). Leicht dürfte die Aufgabe nicht werden, denn die Oberaargauer belegen nach dem 26:22-Sieg gegen Ins in der Tabelle mit sechs Zählern den vierten Rang.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, also auf gehts: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Max Geier (die Leistung der Gastgeber anerkennend): «Der Gegner war einfach besser.»
Marc Bruder (auf die Frage nach der Teamleistung): «Bahhh……..»
Kay Stalder (selbstkritisch trotz gelungenem Einstand): «Mit meiner Leistung nach der Pause kann ich nicht zufrieden sein.»
Dimitri Costa (auf die Frage von Schiedsrichter Heinz Stalder, was denn heute mit ihm los sei) «Ich bekam keine Hand an den Ball. Es war wohl einfach nicht mein Tag.»

Telegramm:

3. Liga: SG Aarburg/Oftringen/Rothrist - «s’Eis» 32:20 (14:7).
 Rothrist, Breite. – 50 Zuschauer. – SR: Heinz Stalder.  – Strafen: je 1mal 2 Minuten.

SG Aarburg/Oftringen/Rothrist: Andreas Graber (1.-52./16 Paraden), Philipp Rühl (ab. 53./0 P.); Ivan Antic (4), Daniel Erni (8/1), Silas Hilpert (8), Raul Giannelli (2), Michael Lehmann (1), Stefan Lanz (2), Reto Seifert (4), Marcel Portmann (3) Manuel Schmid. – Offizieller: David Pirola.

TVB: Dimitri Costa (1.-10. Plus ab 43./8 Paraden), Kay Stalder (ab.11-42./10 P.); Mario Babić (3/1), Marc Bruder (2), Marc Haefeli (5), David Bader (4), Silas Roos, Cirill Vogel (1), Simon Bader (2) Michael Rogg, Ramon Rubitschung (3), Lukas Scherrer, Aleksandar Petrovic. – Offizieller: Maximilian Geier.

Bemerkungen: Andreas Graber (SG AOR) hält Siebenmeter von Marc Bruder (27.) und David Bader (29., Nachschuss verwertet). TVB ohne Simon Grolimund (nicht aufgeboten), Luis Volken (J+S-Kurs), Jonathan Bader (Arbeit), Andreas Bucher, (verletzt), Leandro Favaro (überzählig); SG AOR ohne Andreas Stammbach, Gertjan van Vliet, Kaspar Gruber, Reto Peyer (alle Ausland), Lukas Hilpert, Patrick Eng, Luca Nüssel, Zivko Boskovic, Marc Käser, Yannick Rühl.

/jpc

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