Turnverein Balsthal

Ein Sieg zur rechten Zeit

David "Dävu" Bader war nicht nur wegen seinen neun Treffern die entscheidende Figur beim TVB. (Archivbild)
Samstag, 11. November 2017. Endlich! Nach drei Niederlagen in Serie hat der TV Balsthal in der Meisterschaft wieder auf die Siegesstrasse zurückgefunden. Das 32:29 (15:16) gegen die SG Langenthal-Huttwil war hart umkämpft, belohnte die Einheimischen aber für die klare Leistungssteigerung ab der 26. Minute. Die beiden gewonnenen Punkte waren vor allem auch Balsam für die zuletzt doch angeschlagene Moral.

Das hatte es in der Haulismatthalle sehr lange nicht mehr gegeben: 45 Sekunden vor Spielschluss deckten die Zuschauer die Einheimischen Akteure bereits mit warmen Szenenapplaus ein. Dimitri Costa hatte kurz zuvor den letzten Abschlussversuch seines stürmenden Torhüter-Antipoden Simon Pauli erfolgreich abgewehrt. Und auch wenn im Gegenzug Luis Volken völlig ungedeckt nur die Torumrandung traf, stand eines frühzeitig fest: den Gastgebern war der wichtige Sieg nicht mehr zu nehmen. Der lange anhaltende Applaus der Balsthaler Fangemeinde durfte aber auch als Zeichen der Wertschätzung für eine deutliche Steigerung nach einem missglückten Start verstanden werden. Die drei Niederlagen in Folge hatten bei den Gastgebern offensichtlich Spuren hinterlassen – vor allem in der Psyche. Denn lange sah es überhaupt nicht danach aus, als ob der TVB sich aus dem Tief befreien würde. Ganz im Gegenteil.

Obwohl der Gegner lediglich acht Spieler (!) auf dem Spielblatt eingetragen hatte, verstanden es nämlich die Gastgeber zunächst nicht, ihre Spielweise entsprechend auszurichten und mit druckvollem Spiel den personellen Vorteil bereits in der Startphase für sich auszunutzen. «Wir haben uns an ihre gemächliche Gangart angepasst, statt sie mit Tempo auszuhebeln», ärgerte sich David Bader noch lange nach Spielschluss. Und so waren es etwas überraschend die Gäste, die das Geschehen bestimmten und namentlich mit ihrer Effizienz im Abschluss auftrumpften. Drei Zahlen bestätigen dies eindrücklich: Die ersten vier Torschüsse der Oberaargauer landeten alle im Tor. Zudem vermochte TVB-Torhüter Dimitri Costa erst nach zehn Minuten (!) den ersten Torwurf zu entschärfen. Alles Faktoren, die für die SG Langenthal-Huttwil sprachen! Allein fünf der acht Berner Treffer gingen bis zur 13 Minute auf das Konto von Langenthals Team-Topskorer Philippe Schreier, der das TVB-Abwehrdispositiv mit seinem kraftvollen Stil fast nach Belieben aushebelte. Mit einer Ausbeute von 13 Treffern war der 38-jährige Routinier mit Erstligaerfahrung am Ende klar der beste Torwerfer auf der Platte.

Schmeichelhafter Pausenrückstand

Lukas "Lüku" Scherrer blieb ohne Treffer, zeigte aber sein grosses Potential auf. (Archivbild)Nach 20 Minuten lagen die Einheimischen, deren Spiel eher auf Zufall ausgerichtet denn durchdacht war, erstmals mit vier Treffern in Verzug (9:13). Das lag auch daran, dass sie sich bis zur Pause wiederum 13 Fehlversuche leisteten. Auch nach 26 Minuten war der Rückstand noch der gleiche (11:15), ehe sich die Einheimischen (endlich) eines Besseren besannen. Gegen die in der Konzentration nun doch bereits merklich nachlassenden Berner schafften sie bis zur Halbzeit den Anschluss wieder (15:16). Es war – zugegeben – ein schmeichelhafter Pausenrückstand. Das entschlossenere Auftreten des TVB sollte aber in der Folge Wirkung zeigen.

Denn nach dem Seitenwechsel knüpfte der TVB an die letzten fünf Minuten vor der Pause an. Marc Bruder gelang gleich zu Beginn mit dem 16:16 per Siebenmeter der erste Gleichstand der Partie (32.) überhaupt. Fünf Minuten später konnten die Einheimischen gar erstmals die Führung an sich reissen. Die Art und Weise war bezeichnend, aber auch ein deutliches Indiz dafür, dass sich in den Köpfen der TVB-Spieler etwas verändert hatte: Cirill Vogel, zuvor bei sogenannten Eins-gegen-eins-Situationen nicht immer der Glücklichste im Abschluss, verwertete in Unterzahl einen schnellen Gegenstoss zur 19:18-Führung. Das Aufbäumen lag auch daran, dass sich TVB-Torhüter Dimitri Costa, der nach 33 Minuten den glücklosen Kay Stalder wieder abgelöst hatte, nun deutlich zu steigern wusste. Und weil «der Verrückte» in entscheidenden Spielsituationen wieder wie während den ersten drei Saisonspielen wichtige Bälle parierte, blieb das im Sport oft zitierte «Momentum» auf der Balsthaler Seite.

David Bader leitete den Umschwung ein

Ramon Rubitschung: Die leichten Dinger sind nicht sein Ding, setzte sich aber in entscheidenden Momenten durch. (Archivbild)Dass der TVB die «Kurve» nach äusserst verhaltenem Beginn noch kriegen sollte, war vor allem auf David Bader zurückzuführen. Die Balsthaler Nummer 22 war mit vier Treffern bereits vor der Pause mit seinen kraftvollen Durchbrüchen ein wesentlicher Faktor für die Aufholjagd gewesen. Nach dem Seitenwechsel war David Baders Auftreten dann schlichtweg dominant: Mit drei Treffern in Serie sorgte «der Türke» innert 90 Sekunden auch für die numerische Wende (39./22:19). Am Ende war er mit neun Toren der klar beste Skorer der Einheimischen. Mit seiner durchdachten Spielweise übertrug der 22-Jährige seinem Team vor allem jene Ruhe, die in den letzten Spielen abhandengekommen war. «Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen, dass wir nicht früher so gespielt haben», ordnete «Dävu» das Verpasste dem eigenen Unvermögen zu. Er hatte schon zur Pause in der Kabine die Defizite seinen Teamkollegen aufgezeigt. «Danach war es ein leichtes, das eigene Spiel durchzusetzen», empfand er.

Den zweiten Saisonsieg allein an der Person von David Bader aufzuhängen, wäre jedoch falsch – und noch weniger gerecht. Zur Leistungssteigerung nach der Pause trug nämlich die gesamte Mannschaft bei. An erster Stelle sei hier Lukas Scherrer erwähnt, der im bisherigen Meisterschaftsverlauf jeweils lediglich wenige Minuten zum Einsatz gekommen war. Diesmal wurde er in der zweiten Halbzeit früh im rechten Rückraum eingewechselt. Und Scherrer überzeugte in der Folge mehrmals als versierter letzter Passgeber. «Zwar habe kein Tor erzielt, wieder einmal länger gespielt zu haben war aber schon schön», zeigte sich der 21-Jährige zufrieden.

Einen beachtlichen Steigerungslauf legten auch andere hin: Ramon Rubitschung beispielsweise war für wichtige Tore verantwortlich. Namentlich jene Balleroberung kurz vor der Halbzeit, die zum 13:15-Anschluss führte, war in der Nachbetrachtung vielleicht wegweisend. Da durfte man mit dem 26-Jährigen auch Nachsicht walten lassen, dass er einen Tempogegenstoss wiederum leichtfertig an die Latte gesetzt hatte. Auch Cirill Vogel, der einmal mehr die sogenannt «leichten» Chancen nicht zu verwerten wusste, behielt diesmal in den wichtigen Momenten die Nerven und steuerte vier Treffer zum Sieg bei. Oder etwa Simon Bader, dessen Fehlwurfquote ebenfalls noch immer zu hoch ausfiel, der gleichwohl Verantwortung übernahm und mit vier, zum Teil «unmöglichen», aber deshalb wichtigen Toren belohnt wurde.

Aleksandar Petrovic ist Mister 100 Prozent: Zwei Anspiele, zwei Tore – und das mit Sechzehn! (Archivbild)Ein glückliches Händchen bewies zuletzt auch Trainer Max Geier: Fünf Minuten vor Schluss beorderte er den unerfahrenen Aleksandar Petrovic für den glücklosen Silas Roos an den Kreis – und das mit Erfolg: Gleich das erste Anspiel nach kaum einer Minute verwertete der 16-Jährige auf Anhieb, auch der zweite Ballkontakt zwei Minuten später fand den Weg zum alles entscheidenden 32:28 ins Tor (58.). Oder wie heisst es doch so schön: das Glück kann man sich auch erkämpfen.

Die nächste Gelegenheit, den Aufwärtstrend zu bestätigen, bietet sich den Handballern des TV Balsthal in zwei Wochen. Am Samstag, 25. November, tritt der TVB beim HV Herzogenbuchsee (Mittelholz, 15.45) an. Allerdings dürfe es ungleich schwieriger werden, die Punkteausbeute auszubauen. Die Oberaargauer belegen in der Rangliste ungeschlagen den zweiten Tabellenplatz. Die Balsthaler dürften aber mit neuer Moral antreten.

Es geht aufwärts, daher heute ein befreites: B.U.M. - BUUUUUM!

Aufgeschnappt

Max Geier (nach dem Spiel): «Mit dem Resultat bin ich zufrieden, allerdings hätten wir die Entscheidung früher erzwingen müssen.»
Oliver Grolimund (der verletzte Routinier vor dem Gang zum Teamessen): «Zwei Punkte und dazu ein Burger – das ist alles was ich wollte.»
Ramon Rubitschung (zu seiner Chancenauswertung) «Anscheinend sind die leichten Dinger bei mir schwer.»
Simon Bader (abgeklärt) «Wir haben nach der Pause endlich das umgesetzt, was von uns verlangt wurde.»
David Bader (zum Schluss doch versöhnlich): «Trotz allem hat es heute wieder Spass gemacht.»

Telegramm:

3. Liga: „s’Eis“ – SG Langenthal-Huttwil 32:29 (15:16).
 Balsthal, Haulismatt. – 90 Zuschauer. – SR: Heinz Stalder.  – Strafen: Balsthal 2mal 2 Minuten, Langenthal-Huttwil 1mal 2 Minuten.

TVB: Dimitri Costa (1.-17. + ab 33./16 Paraden/1 Tor), Kay Stalder (17.-33./5 P.); Mario Babić (2), Marc Bruder (6/3), Marc Haefeli, David Bader (9), Simon Bader (4), Silas Roos, Cirill Vogel (4), Ramon Rubitschung (4), Luis Volken, Lukas Scherrer, Aleksandar Petrovic (2), Kay Stalder. – Offizieller: Maximilian Geier.

SG Langenthal-Huttwil: Simon Pauli (14 Paraden); Philippe Schreier (13/3), Florian Bärtschi (2), Tobias Grändel (4), Simon Stankowski (1), Daniel Sommer (8), Michael Hess, Matthias Waeber.

Bemerkungen:

TVB ohne Simon Grolimund (nicht aufgeboten), Jonathan Bader (Arbeit), Andreas Bucher, Michael Rogg (beide verletzt), Leandro Favaro (überzählig); SG Langenthal-Huttwil ohne Roman Reuteler, Simon Bieri, Glenn Jakob, Stefan Stettler, Joel Mischa Schmid.

/jpc

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